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Individualisiertes Lernen im Informatik-Unterricht

Individualisiertes Lernen im Informatik-Unterricht

Übersicht

Individualisiertes Lernen, selbstgesteuertes Lernen und selbstorganisiertes Lernen sind Begriffe für sehr ähnliche grundlegende Konzepte. Unterschiede zeigen sich bei der Beschreibung der Umsetzung im Unterricht und in den theoretischen Hintergründen. Die Bezeichnung individuelles Lernen wird als übergeordneter Begriff eher selten benutzt, individuelles Fördern ist dagegen ein Begriff der den anfangs beschriebenen Konzepten ähnlich ist. Maßnahmen zur inneren und äußeren Leistungsdifferenzierung bauen auf diese Konzepte auf.

Definition: "Individualisierter Unterricht ist ein Unterricht, der sich auf die spezifisch-fachlichen Leistungsniveaus, die persönlichen Neigungen und Interessen eines jeden Schülers einstellt, diese fördert und dabei sowohl den persönlichen Lernstil als auch die soziale, emotionale und die gesundheitliche Lage jedes Kindes berücksichtigt." (Offener Unterricht mit Methode)

Gesetzliche Grundlagen, staatliche Vorgaben und Handreichungen

In der neuen Berliner integrierten Sekundarschule ist die Leistungsdifferenzierung in der Sek I-VO geregelt. Dort heißt es in

§ 27 Leistungsdifferenzierung, Leistungsbewertung

(1) Die Leistungsdifferenzierung kann in Form der Binnendifferenzierung in gemeinsamen Lerngruppen oder in Kursen der äußeren Fachleistungsdifferenzierung gemäß dem jeweiligen Differenzierungskon- 20 zept der Schule durchgeführt werden; für die jeweiligen Fächer können auch unterschiedliche Differen- zierungsformen gewählt werden. Im binnendifferenzierten Unterricht ist den jeweiligen Lernvorausset- zungen der Schülerinnen und Schüler durch unterschiedliche Anforderungsniveaus, die sich an den Bil- dungsstandards orientieren, Rechnung zu tragen...

In der Handreichung Grundlagen für die Pilotphase der Gemeinschaftsschule in Berlin finden sich viele Verweise auf individualisiertem Lernen, z.B.

"Entwicklung und Förderung individueller Fähigkeiten und Fertigkeiten durch Lernen und Lehren in heterogenen Gruppen, maximale Leistungseintwicklung dür alle Schüler und Schülerinnen durch selbständiges Lernen und die Unterstützung individueller Lernwege." (Punkt 1: Leitziele der Gemeinschaftsschule)

Auch die aktuellen Rahmenpläne enthalten Hinweise zum Beispiel zum Lernen als individuellen Prozess:

Beim Lernen konstruiert jede Einzelne/jeder Einzelne ein für sich selbst bedeutsames Abbild der Wirklichkeit auf der Grundlage ihres/seines individuellen Wissens und Könnens sowie ihrer/seiner Erfahrungen und Einstellungen. Dieser Tatsache wird durch eine Lernkultur Rechnung getragen, in der sich die Schülerinnen und Schüler ihrer eigenen Lernwege bewusst werden, diese weiterentwickeln sowie unterschiedliche Lösungen reflektieren und selbstständig Ent-scheidungen treffen. So wird lebenslanges Lernen angebahnt und die Grundlage für motiviertes, durch Neugier und Interesse geprägtes Handeln ermöglicht. Fehler und Umwege werden dabei als bedeutsame Bestandteile von Erfahrungs- und Lernprozessen angesehen. (Kerncurriculum Informatik Berlin-Brandenburg, Seite 6)

Die Handreichungen zur Schulstrukturreform der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin und des LSUM Berlin-Brandenburg enthalten viele Dokumente zum individuellem Lernen

Grundlagen

Ziel:
optimale Entwicklung und Förderung jedes Einzelnen

Unterricht:
Ausrichtung auf die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Lernbedürfnisse der einzelnen Schülerinnen und Schüler

Merkmale einer individualisierten Didaktik

  • Schülerinnen und Schüler beteiligen sich an der Planung des Unterrichts.
  • Sie übernehmen Verantwortung für Ihr eigenes Lernen und für spezielle Bereiche des gemeinsamen Unterrichts.
  • Der Unterricht ist auf Gemeinsamkeiten und Spezialisierung angelegt.
  • Ein gemeinsames "Fundamentum" ist für alle Schülerinnen und Schüler erreichbar.
  • Das "Additum" besteht aus Zusatzaufgaben unterschiedlicher Art und Schwierigkeit. Jede Schülerin und jeder Schüler kann sich daraus ein individuelles Paket zusammenstellen.
  • Der Unterricht orientiert sich an leitenden Bildungszielen, die die Auswahl der Inhalte vorgeben.
  • Die im Fundamenturm vermittelten Kompetenzen müssen von allen Schülerinnen und Schülern erreicht werden können.
  • Individuelle Leistungen gehen von der Gruppe aus und kommen dort wieder zusammen.
  • Ritualisierte Formen sichern das Feedback und die Reflexion des Lernprozesses der Gruppe.
  • Die Lehrkraft steuert das Zusammenspiel zwischen individuellem Lernen, kooperativem Lernen in Kleingruppen und gemeinsamem Lernen in der Gesamtgruppe.
  • Arbeitsaufträge und Methoden werden aus den Bildungszielen und Inhalten abgeleitet und alle Aufgaben sind so gestaffelt, dass Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen sie erfolgreich bearbeiten können.
  • Differenzierende Aufgaben ermöglichen die Aneignung einer gemeinsamen Sache durch unterschiedliche Zugänge und Schwierigkeitsstufen.
  • Die Präsentation ist ein wichtiger Bestandteil der Leistung.
  • Ein Portfolio stärkt die Verantwortung der Einzelnen für die eigenen Lernwege und -ergebnisse und ermöglicht eine optimale Präsentation individueller Leistungen.
  • Diagnostik ist darauf gerichtet, die Einzelnen "auf den Weg" zu bringen, Hilfen und Alternativen anzubieten.
  • Die Begleitung und Bewertung individueller Leistungen orientiert sich zuerst an der individuellen Bezugsnorm bezogen auf die Anforderungen der Sache.

Die Merkmale beziehen sich auf Annemarie von der Groeben: Verschiedenheit nutzen - Besser lernen in heterogenen Gruppen, Cornelsen Verlag Scriptor, Berlin 2008 und auf Material aus dem Grundlagen-Workshop zum individuellen Lernen von Frau Elke Schomaker.

Bedingungen für die Umsetzung

  • Bestandsaufnahme der Lernsituation der Schule (Schulprogramm, Formen von Differenzierung,Lernvoraussetzungen der Schülerschaft)
  • Grundsätzliche Festlegung der Wege und Formen der Differenzierung
  • Lernförderliche Umgebung schaffen (Zeit- und Raumgestaltung, Unterrichtsorganisation, Material, Lernklima, Rituale)
  • Kooperation der Lehrerinnen und Lehrer
  • Selbständigkeit der Schülerinnen und Schüler

Individualsiertes Lernen und informatische Bildung

Es ist schwierig Literatur und Material zum Thema individualisiertes Lernen und informatische Bildung zu finden. Es werden oft nur allgemeine Aussagen gemacht, wie zum Beispiel im Vorspann zur Reform der sächsischen Lehrpläne:

Zudem verfügt informatische Bildung über spezifische Potenzen für die Aneignung von Allgemeinbildung. Über die technischen Möglichkeiten hinaus kann sie den Wissenserwerb und individuelles Lernen effektivieren und einen wirkungsvollen Beitrag zur Kompetenzentwicklung leisten, indem sie Analysefähigkeit sowie systematisches und strukturelles Denken schult. (Eckwerte zur informatischen Bildung, Comenius-Institut, Reform der sächsischen Lehrpläne)

Häufig wird als ein Vorteil von E-Learning die Möglichkeit zum individualisierten Lernen genannt, konkrete öffentlich zugängliche Beispiele sind aber rar. Auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg werden Unterrichtsbeispiele zum individualisiertem Lernen und ähnlicher Konzepte zusammengestellt.

Links individualisiertes Lernen und informatische Bildung

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