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Zitat September 2019

"Es gibt kein Alter, in dem alles so irrsinnig intensiv erlebt wird wie in der Kindheit. Wir Großen sollten uns daran erinnern, wie das war.“ (Astrid Lindgren)

Auch wenn Astrid Lindgren ihre Beobachtungen auf eine Kinder- und Erwachsenengeneration "ihrer" Zeit bezogen hat, ist mir ihre Feststellung privat und beruflich ein lieber Begleiter. Als Lindgren zum ersten Mal Mutter wurde (1926) und auch als ihre Tochter das Licht der Welt erblickte (1934), wurde das Familienleben von anderen Themen und Präferenzen bestimmt als heute. Eltern- und Großelternschaft erlebte die Schriftstellerin auf dem Hintergrund ihrer Zeit inklusive der damals üblichen Kommunikation zwischen Groß und Klein.
Dennoch gilt für mich im Familienleben sowie in der pädagogischen Arbeit der Leitsatz nach wie vor. Das Zitat der Schriftstellerin verstehe ich als Brücke zwischen den Generationen, ein Appell zudem an uns Erwachsene, den Blick auf unser (eigenes) Kind oder auf die uns anvertrauten Kinder zu schärfen. 
Als Mediencoach des Elternratgebers "Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht." und in meiner praktischen medienpädagogischen Arbeit mit Kindern und Eltern komme ich mit dieser Sichtweise zu hilfreichen Impulsen. An uns wenden sich etwa ratsuchende Eltern, die sich um ihr Kind sorgen, weil es sehr intensiv sein Smartphone zum Austausch mit FreundInnen nutzt. Oft hilft ein Erinnern an Szenen aus der eigenen Schulzeit schon weiter: der Ranzen fliegt in die Ecke, das Telefon wird stundenlang belagert für’s Quatschen mit den SchulkameradInnen. 
Stimmt, lässt sich eigentlich verstehen, was da läuft und mit entspannterer Sichtweise kann dann sachlich eine Vereinbarung über tägliche Nutzungszeiten getroffen werden oder sich ein Gespräch über das Thema "Muss ich immer erreichbar sein?" entwickeln. 
Mit Blick auf Spielkonsolen oder Fernsehkanäle befürchten Eltern, dass ihr Kind ein Suchtverhalten entwickelt oder gar sozial vereinsamt. Wenn Medien spannender und interessanter sind als das, was das reale Leben anbietet, hat das in der Regel eine Ursache und einen Grund. Vielleicht sind wir als Ansprechpartner wichtiger, als wir vermuten. Unser Kind holt sich Zuwendung und Bestätigung auf anderen Kanälen, braucht Unterstützung, um auf andere zuzugehen – und wir sind häufig nicht ansprechbar oder überfordert von unserem Beruf. 
Das Zitat von Astrid Lindgren beinhaltet für mich in jedem Fall auch die vielversprechende Perspektive: wenn wir uns für unser Kind Zeit nehmen und intensiv mit ihm gemeinsam wichtige Lebensphasen durchlaufen – da bilden Medien-Momente keine Ausnahme – dann schaffen wir eine gute Grundlage für ein gesundes Aufwachsen und einen bewussten Umgang mit Medien. 


Kristin Langer ist Mediencoach beim Elternratgeber "SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht." Die diplomierte Medienpädagogin und Mutter einer Tochter hat langjährige Erfahrungen im Bereich der Elternarbeit: Als freie Dozentin arbeitet sie in der Erwachsenen- sowie Lehrerfortbildung und ist Referentin für die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen. Aus der fachlichen Arbeit für das Projekt Medienscouts-NRW sowie für das Deutsche Kinder- und Jugendfilmzentrum resultieren aktuelle Erfahrungen zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen.

 

 

 

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM