Marianne Möhring (Grundschullehrerin):

Marianne Möhring (Grundschullehrerin):

"Aus Fehlern lernt man, deshalb sollte man so viele wie möglich machen."

 

... kommentiert von Mandy Lissek

 

Diesen Satz hat mir meine Klassenlehrerin in der Grundschule einmal gesagt und seitdem kann ich ihn nicht mehr vergessen. Natürlich habe ich ihn nicht ständig vor Augen, aber er hilft mir und begleitet mich durchs Leben.

Lehrer haben ja irgendwie so einen Drang hier und da ein Zitat von einer wichtigen Persönlichkeit aufzugreifen. Oftmals versteht man diese aber nicht einmal oder sieht "noch" keinen Sinn darin. Aber dieses, zugegeben leicht verständliche Zitat, hat mir sofort gefallen und Sinn gemacht. Man kann es auf jede Lebenssituation anwenden.

Jedes Mal, wenn ich einen Fehler mache, denke ich darüber nach, was sich aus diesem Versehen lernen lässt. Fehler sind an und für sich ja etwas Schlechtes und deshalb möchte man eigentlich keine oder so wenig wie möglich davon machen. Doch wenn man weiter blickt, lernt man aus jedem von ihnen etwas. Zumindest sollte man es und das ist auch der Grund, weshalb man so viele Fehler wie möglich machen sollte, nämlich damit man so viel wie möglich aus ihnen lernt. Man hört praktisch nie auf zu lernen. Lernen ist etwas Gutes. Und damit wird das Fehler machen auch zu etwas Gutem.

Aber wenn man absichtlich alles falsch macht, weil man glaubt, dann würde man schnell schlau, wäre dies ein vollkommener Trugschluss. Abgesehen davon, dass es sowieso nicht geht, alles falsch zu machen, lernt man doch eher aus Fehlern, die einfach so passieren, unbewusst und ungewollt.

Sobald man auf die Welt gekommen ist, lernt man. Zuerst als Baby lernte man, dass man schreien muss, um etwas zu bekommen. Später als Kind hat man mit Gestik alles gezeigt, was man wollte. Heute drücken wir uns mit Hilfe der Sprache aus, so gut es geht. Das und vieles mehr hat man alles erst gelernt, zum Teil aus Fehlern. Als man in die Schule kam, konnte man auch nicht lesen, rechnen und schreiben. Im Prinzip hat man alles, was man heute kann, erlernt und dank bestimmter Fehler hat sich einiges besonders eingeprägt. In einem Test habe ich einen so dummen Fehler gemacht, dass ich mich mehr darüber ärgerte als meine Lehrerin. Als sie das sah, kam sie zu mir an den Tisch und sagte, dass alles halb so schlimm sei und dann sagte sie eben dieses Zitat. Ich habe es sofort verstanden und es hat mich auch sehr beruhigt, denn es sagt aus, dass man Fehler machen darf und sie sogar noch einen positiven Nebeneffekt haben: Man lernt daraus. Klar ist es nicht schön Fehler zu machen, denn mit jedem einzelnen wird die Zensur schlechter. Trotzdem gehören sie einfach zum Leben dazu.

Durch sie erwirbt man einen Großteil seiner Erfahrungen. Derjenige der sagt: "Wer schlau ist, macht erst gar keine Fehler!", um schlau zu wirken, ist in meinen Augen dumm, denn selbst er hat schon Fehler gemacht und außerdem könnte demnach niemand schlau sein, da alle mal Fehler machen. Für mich ist jemand schlau, der viel Wissen, aber auch Erfahrung hat. Man kann schlau sein und trotzdem Fehler machen. Sie gehören, wie schon gesagt, zum Leben dazu. Man kann nicht gleich alles auf Anhieb können. Wozu bräuchte man dann die Schule? Sie ist doch bekanntlich zum Lernen da.

Dennoch sollte man nicht die gleichen Fehler wiederholen, sondern bestrebt sein, es bei der nächsten Gelegenheit besser zu machen. Manchmal braucht es eben noch einen neuen Versuch. Aber man lernt ja nicht nur in der Schule dazu und macht nur dort Fehler. Man lernt und macht ebenso seine Erfahrungen in der Familie (man erinnere sich nur mal an die Pubertät), im Umgang mit Freunden, auf Reisen, im Restaurant, bei der Berufswahl und auch in der Liebe - eigentlich überall.

Deshalb wünscht man sich oftmals, man hätte es vorher gewusst und nicht erst hinterher. Dann wäre Vieles einfacher. Man könnte sich z.B. aussuchen, welche Fehler man macht und welche man vermeidet. Dann hätte man sich einiges erspart, aber auch nichts dazu gelernt. Außerdem werden einem im Leben viele Steine in den Weg gelegt, entscheidend ist jedoch, was man daraus macht.

Auch bei der Berufswahl kann man Fehler machen und sich den falschen Beruf wählen. Aber woher soll man es wissen, wenn man es nicht erst einmal ausprobiert? Es ist zwar nicht gut, wenn es falsch war, aber man hat es wenigstens versucht, an Erfahrungen gewonnen und weiß es danach besser. Zudem wird man sein gesamtes Leben lang irgendwo Fehler machen, aber letzten Endes entwickelt man sich dadurch weiter, gewinnt an Erfahrung und Wissen und wird durch sie zu dem, was und wer man ist.

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM