Evaluation

Evaluation, Bestandsaufnahme, Feedback und Diagnose

„Evaluation ist ein Prozess des systematischen Sammelns und Analysierens von Daten bzw. Informationen mit dem Ziel, kriterienorientierte Bewertungsurteile zu ermöglichen, die begründet und nachvollziehbar sind“ (H.-G. Rolff, 2001, S. 82).

„Evaluation ist demnach:

  • ein systematischer Prozess,
  • basierend auf vorher festgelegten Zielsetzungen,
  • als Überprüfung und Bewertung einer durchgeführten Praxis,
  • mit dem Ziel der Verbesserung und Weiterentwicklung dieser Praxis (insbesondere der Unterrichtspraxis) ebenso wie der Bestätigung,
  • mit gemeinsam definierten Bewertungsmaßstäben,
  • auf der Grundlage von Daten,
  • mit möglichst angemessenen Evaluationsinstrumenten,
  • mit Beteiligung und Rückspiegelung für die Betroffenen,
  • die in vereinbarten Maßnahmen und Konsequenzen mündet …“ (C. Buhren, 2055, S. 245).

Systematische Bewertung von Programmen, Maßnahmen oder Projekten im Unterrichts- und Schulentwicklungsprozess, um deren Wirksamkeit, Relevanz und Nebenwirkungen zu prüfen. Der Fokus liegt auf Ergebnissen, Nutzen und Lernwirkungen im Vergleich zu Zielen.

Häufig wird der Begriff Evaluation synonym mit Bestandsaufnahme, Feedback und Diagnose verwendet. Deshalb hier eine kurze Übersicht zu den Unterschieden.

Evaluation

Abgrenzung

Systematische Bewertung von Programmen, Maßnahmen oder Projekten im Unterrichts- und Schulentwicklungsprozess, um deren Wirksamkeit, Relevanz und Nebenwirkungen zu prüfen.
Eine Evaluation sollte in zumindest zum Anfang und zum ende eines (Veränderungs-)Prozessees durchgeführt werden.

Fokus

  • liegt auf Ergebnisse, Nutzen und Lernwirkungen im Vergleich zu Zielen

Typische Fragestellungen

  • Welche Wirkungen hatte die Maßnahme auf Schülerleistungen, Kompetenzen und Lernmotivation?
  • Inwieweit wurden Ziele, Ressourcen und Zeitpläne erreicht?
  • Welche Neben- und Folgewirkungen treten auf (z. B. Gerechtigkeit, Chancengerechtigkeit, Lernklima)?
  • Welche Bedingungen begünstigen oder hemmen den Erfolg?

Praktische Handlungsempfehlungen

  • Klare Ziel- und Erfolgskriterien vorab festlegen (SMART).
  • Wirkungsmessung mit geeigneten, validen Indikatoren und Datens triangulieren (Quantität + Qualität).
  • Kurz- und Langzeitfolgen berücksichtigen.
  • Einbindung relevanter Stakeholder (Lehrkräfte, Schüler, Eltern) in Planung, Durchführung und Reflexion.
  • transparente Kommunikation der Ergebnisse und Handlungsoptionen.

Bestandsaufnahme

Abgrenzung

Systematisches Sammeln des aktuellen Stands (Ist-Zustand) einer Schule bzw. eines Schulbereichs, um Ausgangspunkte für Schulentwicklung festzulegen.
Eine Bestandsaufnahme wird häufig als Erstevaluation eingesetzt.

Fokus

  • liegt auf Ressourcen, Strukturen, Prozesse, Kompetenzen und Bedarfe.

Typische Fragestellungen

  • Welche Ressourcen (personell, finanziell, räumlich) stehen aktuell zur Verfügung?
  • Wie ist das Lern- und Arbeitsklima? Welche Stärken und Schwächen zeigen sich?
  • Welche Bedarfe bestehen in Bezug auf Personalentwicklung, Infrastruktur, …?

Praktische Handlungsempfehlungen

  • Erhebungen breit aufsetzen: Dokumentenanalyse, Befragungen, Surveys, Unterrichtsbeobachtungen, Schulbesuche.
  • Vielfalt von Perspektiven berücksichtigen (Schulleitung, Kollegium, Schülerinnen und Schüler, Eltern).
  • Ergebnisse priorisieren und in ein Handlungsfeld-Portfolio überführen.
  • Klaren Zeitplan und Verantwortlichkeiten festlegen.

Feedback

Abgrenzung

Rückmeldung zu konkreten Beobachtungen, Prozessen oder Ergebnissen, die Lern- und Schulentwicklung unterstützt.
Direkte, unmittelbare Rückmeldung zu einem Sachverhalt.

Fokus

  • liegt auf unmittelbare Rückmeldung zu  Lernwegen, Lernprozessen und Verhaltensänderungen.

Typische Fragestellungen

  • Welche Lernfortschritte zeigen Schülerinnen und Schüler? Welche Muster lassen sich erkennen?
  • Wie wirken sich aktuelle Unterrichtsformen auf Motivation und Beteiligung aus?
  • Welche Bedarfe bestehen bei Lehrkräften hinsichtlich Methoden, Materialien oder Zusammenarbeit?
  • Wie nehmen Schülerinnen, Schüler und Eltern das Schulklima wahr?

Praktische Handlungsempfehlungen

  • Feedback zeitnah, konkret, lösungsorientiert und respektvoll gestalten.
  • bei verbalem Feedback - Feedbackgeber:in: Ich-Botschaften benutzen.
  • Feedback-Dialoge etablieren (Kollegiale Hospitationen, Peer-Feedback).
  • Methodenvielfalt nutzen (Doppeleffekt: direkte Rückmeldung + Handlungsoptionen).
  • Feedbacknehmer:in: Gelerntes dokumentieren und in Maßnahmenplan überführen.

Diagnose

Abgrenzung

Fachlich-analytische Abklärung von Lern- und Entwicklungsproblemen einzelner Schülerinnen und Schüler (und ggf. Klassen) sowie struktureller Ursachen.

Fokus

  • Ziel ist ein gezieltes Förder- und Unterstützungsangebot.

Typische Fragestellungen

  • Welche individuellen Lernstärken und -schwächen zeigen einzelne Schülerinnen und Schüler?
  • Welche diagnostischen Gründe liegen vermuteten Förderbedarfen zugrunde (z. B. Lernschwierigkeiten, Sprachbarrieren, Aufmerksamkeits- oder Förderbedarf im Bereich der sozialen-emotionalen Entwicklung)?
  • Welche fachlichen Fördermaßnahmen (individuelle Förderung, Förderpläne, Nachteilsausgleiche) sind sinnvoll?
  • Inwiefern wirken strukturelle Ursachen (z. B. Unterrichtsqualität, Materialzugang, Klassenführung, Lernumgebungen) auf den individuellen Förderbedarf?
  • Wie lassen sich Beobachtungen, Leistungsdaten und Rückmeldungen zu einem konsistenten Förderziel bündeln?

Praktische Handlungsempfehlungen

  • Frühzeitige, differenzierte Diagnostik unter Einbeziehung erfahrener Fachkräfte (Lehrkräfte, Sonderpädagogik, Schulpsychologie, ggf. externe Expertinnen).
  • Nutzung standardisierter Instrumente (Screenings, Lernstandsdiagnosen, Beobachtungsbögen) ergänzt durch formative Aufgaben zur Verifizierung.
  • Entwicklung individueller Förderpläne mit klaren Zielen, Zeitrahmen und Erfolgskriterien.
  • Koordination zwischen Unterricht, Förderangeboten, Klassenleitung und Eltern; klare Zuständigkeiten definieren.
  • Dokumentation von Befunden, Maßnahmen und Evaluation der Wirksamkeit; regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Fördermaßnahmen.


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Reaktionell verantwortlich: Team Schulentwicklung am LIBRA.