
Der erreichte Kompetenzstand wird auf einer vierstufigen Skala eingeschätzt. Dabei entspricht der dritte Ausprägungsgrad - “vollständig ausgeprägt” - dem Kompetenzstand, der zu diesem Zeitpunkt erwartet werden darf. Das Kind hat somit erfolgreich die Grundlage zum Weiterlernen gelegt. Der vierte Ausprägungsgrad - “in besonderem Maße ausgeprägt” - wird genutzt, wenn das Kind in diesem Bereich einen Kompetenzstand zeigt, der bereits über das zu diesem Zeitpunkt Erwartbare hinausgeht.
Auf dieser Seite finden Sie zudem eine Erklärung, warum sich die Einschätzungen aus dem kompetenzorientierten Zeugnis nicht in ein Notenzeugnis umrechnen lassen.

Die nachfolgenden Beispiele beziehen sich auf Schülerinnen und Schüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen.
In Ansätzen ausgeprägt

Definition: Die Kompetenz wird elementar erkennbar, jedoch noch unsicher und nur mit Unterstützung angewendet bzw. gezeigt.
Beispiel: Eine Schülerin der Jahrgangsstufe 3 hat die Aufgabe, eine Geschichte zu verfassen. Sie kann bereits einzelne Wörter und Sätze ihrer Geschichte aufschreiben. Der rote Faden ist jedoch nicht zu erkennen, weil die Ereignisse durcheinander und ohne Bezug aufeinander geschrieben wurden.
Kindgerechte Variante: Du kannst schon einiges und brauchst noch Unterstützung.
Teilweise ausgeprägt

Definition: Die Kompetenz wird in bekannten Situationen überwiegend selbstständig, jedoch noch nicht durchgängig sicher angewendet bzw. gezeigt.
Beispiel: Der Schüler in der Jahrgangsstufe 1 erfasst strukturierte Mengen bis 10 quasi-simultan, also auf einen Blick, wenn diese zum Beispiel in Fünferpäckchen gezeigt werden. Strukturierte Mengen bis 20 werden nicht quasi-simultan, sondern noch teilweise zählend bestimmt.
Kindgerechte Variante: Du kannst schon vieles allein und brauchst wenig Unterstützung.
Vollständig ausgeprägt

Definition: Die Kompetenz wird selbstständig, sicher und durchgängig angewendet bzw. gezeigt.
Der Kompetenzstand des Kindes entspricht voll den Erwartungen zu diesem Zeitpunkt, da alle Grundlagen zum erfolgreichen Weiterlernen gegeben sind.
Beispiel: Eine Schülerin der Jahrgangsstufe 2 gestaltet eine Übersicht zu Tieren und Geräten auf dem Bauernhof. Sie schneidet Bild- und Wortkarten aus. Die ausgeschnittenen Karten ordnet sie korrekt einander zu und klebt sie auf.
Kindgerechte Variante: Du kannst das sicher und selbstständig.
In besonderem Maße ausgeprägt

Definition: Die Kompetenz wird selbstständig, sehr sicher und flexibel auch in neuen oder komplexen Situationen angewendet bzw. gezeigt. Der Kompetenzstand übertrifft die Erwartungen zu diesem Zeitpunkt.
Beispiel: Ein Schüler in der Jahrgangsstufe 4 erfindet zusätzlich zu einem vorgegebenen Klangverlauf - z. B. einer Melodie - einen weiteren Klangverlaufund kann diesen mit eigenen Zeichen schriftlich festhalten.
Kindgerechte Variante: Du kannst das sehr sicher und meisterst auch neue Aufgaben.
Notenzeugnis und kompetenzorientiertes Zeugnis – wo liegt der Unterschied?
Ein klassisches Notenzeugnis fasst die Leistungen eines Schuljahres in einer Note zusammen. Dabei fließen viele unterschiedliche Leistungen – zum Beispiel Klassenarbeiten, mündliche Beiträge oder andere Lernnachweise – in eine Gesamtnote ein.
Ein kompetenzorientiertes Zeugnis verfolgt einen anderen Ansatz. Es beantwortet nicht die Frage „Welche Durchschnittsnote hat mein Kind erreicht?“, sondern „Welche Kompetenzen beherrscht mein Kind derzeit?“
Deshalb beschreibt das Zeugnis den aktuellen Lern- und Entwicklungsstand Ihres Kindes. Es zeigt auf, welche Kompetenzen bereits sicher vorhanden sind, woran Ihr Kind noch arbeitet und welche nächsten Lernschritte sinnvoll sind.
Die Einschätzungen lassen sich deshalb nicht in Schulnoten umrechnen. Eine einzelne Kompetenz entspricht keiner Note. Erst das Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Kompetenzen, Aufgaben und Leistungen würde – bei einem klassischen Zeugnis – in eine Gesamtnote einfließen. Ein kompetenzorientiertes Zeugnis verfolgt jedoch ein anderes Ziel: Es macht Lernen sichtbar und gibt eine differenzierte Rückmeldung über den aktuellen Entwicklungsstand Ihres Kindes.
Zusammengefasst: Eine Note bewertet das Ergebnis vieler Leistungen. Ein kompetenzorientiertes Zeugnis beschreibt, was ein Kind zum Zeitpunkt der Zeugnisausgabe bereits kann und welche nächsten Lernschritte anstehen.
Redaktionell verantwortlich: Anett Frohn, LIBRA
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