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Flüssig schreiben / Schriftart
Der RLP 1-10, Teil C Deutsch legt fest: „Die Schülerinnen und Schüler schreiben anfangs eine unverbundene Druckschrift. Sobald sie motorische Sicherheit und Routine im Lesen und Schreiben erlangt haben, erfolgt die Einführung einer verbundenen Schrift, mit der Schreibtempo und Schreibflüssigkeit erhöht werden. Bei der Auswahl der verbundenen Schrift wird darauf geachtet, dass diese formklar, leicht zu lernen und gut zu lesen ist.“ (vgl. RLP 1-10, Teil C Deutsch, S. 8).
Eine Möglichkeit der verbundenen Schrift ist die Einführung der Schulausgangsschrift (SAS/„Schreibschrift“). Diese stellt jedoch lediglich eine Übergangsschrift dar, da der RLP 1-10, Teil C Deutsch festlegt, dass Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der Jahrgangsstufe 4 bzw. beim Erreichen der Niveaustufe C „eine individuelle, lesbare Handschrift flüssig schreiben“ (vgl. RLP 1-10, Teil C Deutsch, S. 21). Daher ist es nicht zulässig, über die Niveaustufe B hinaus auf das Nutzen der Schreibschrift zu bestehen.
Alternativ kann von Anfang an die Grundschrift genutzt werden. Diese bahnt die Entwicklung einer verbundenen Handschrift schon mit den ersten Buchstaben an. Nähere Informationen finden sich im Kapitel 3.6 ab S. 12 in der Broschüre „Flüssig-sicher-kreativ: Schreibflüssigkeit trainieren auf Niveau B“.
Untersützungsmaterialien
LISUM (2020): Schreibflüssigkeit trainieren – Startpaket für die Schulanfangsphase
Verfügbar unter: https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/schule/grundschulportal/publikationen_grundschule/Startpaket_Schreibfluessigkeit.pdf
LISUM (2024): Flüssig-sicher-kreativ: Schreibflüssigkeit trainieren auf Niveau B
Verfügbar unter: https://bildungsserver.berlin-branden-burg.de/fileadmin/bbb/schule/grundschulportal/publikationen_grundschule/Planungshilfe_Schreibfluessigkeit_B.pdf
LISUM (2024): Flüssig-sicher-kreativ: Schreibflüssigkeit trainieren auf Niveau C
Verfügbar unter: https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/schule/grundschulportal/publikationen_grundschule/Planungshilfe_Schreibfluessigkeit_C.pdf
LISUM (2024): Flüssig-sicher-kreativ: Schreibflüssigkeit trainieren auf Niveau D
Verfügbar unter: https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/schule/grundschulportal/publikationen_grundschule/Planungshilfe_Schreibfluessigkeit_D.pdf
Diktate
Klassische Diktate, die als ganze Texte diktiert werden, können Teil einer Klassenarbeit sein, dürfen diese jedoch nicht ersetzen. Gemäß der VV-Leistungsbewertung enthalten schriftliche Arbeiten (Klassenarbeiten) Aufgabenstellungen, welche die Verknüpfung der im Unterricht behandelten Inhalte befördern und mehrere Anforderungsbereiche umfassen. (vgl. VV-Leistungsbewertung, Nr. 8 Abs. (2) https://bravors.brandenburg.de/verwaltungsvorschriften/vv_leistungsbewertung, Stand Februar 2026)
Die Orientierungsarbeiten können als Vorlage zur Erstellung eigener Klassenarbeiten mit dem Schwerpunkt Rechtschreibung genutzt werden.
Der diagnostische wie pädagogische Wert von klassischen Diktaten wird bereits seit längerem kritisch gesehen. Alternativ kann überlegt werden:
- andere Formen von Diktaten zu nutzen, z. B. Lernwort- bzw. Lückendiktate
- Diktate nicht nach der reinen Fehleranzahl zu bewerten, sondern die Bewertung auf die Art der gemachten Fehler abzustimmen (z. B. viele verschiedene Fehler oder Fehler gleicher Art, „Schwere“ der Fehler hinsichtlich Bekanntheit der Rechtschreibphänomene usw.)
- weitere Ansätze finden sich auch hier: https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/fachbriefe_brandenburg/Deutsch/Fachbrief_Deutsch_BB_03.pdf
Kurze Antwort: nein, keinesfalls. Das klassische (Klassen-)Diktat war über viele Jahrzehnte ein zentrales Instrument des Rechtschreibunterrichts und zugleich ein verbreitetes Format der Leistungsüberprüfung. Es steht in einer Tradition, in der Rechtschreibung vor allem als Einprägen korrekter Wortbilder verstanden wurde und das fehlerfreie Verschriften auditiv dargebotener Sprache als maßgeblicher Kompetenznachweis galt. Bis heute hält sich daher der Eindruck, die in der eigenen Schulzeit erlebte Praktik des klassischen Hördiktats sei valide und zielführend.
Seit den 1990er-Jahren wird das klassische Diktat jedoch zunehmend kritisch diskutiert. Im Zuge des kompetenzorientierten Paradigmenwechsels rückten stärker prozessbezogene Kompetenzen (Strategienutzung, Selbstkorrektur, Überarbeitung, Nachschlagen) sowie individuelle Lernentwicklungen in den Fokus. In diesem Kontext wurde hinterfragt, ob das klassische Diktat tatsächlich valide Aussagen über die mehrdimensionale Rechtschreibkompetenz ermöglicht oder primär eine situative Performanz unter Zeitdruck abbildet.
Daraufhin wurde gefordert, Klassendiktate als Klassenarbeiten sowohl in der Primar- als auch in der Sekundarstufe abzuschaffen, da sie vielfältige rechtschreibfremde Faktoren mitprüften und damit keine verlässliche Aussage über rechtschreibliche Kompetenz zuließen. Dies wurde seitdem vielfach fachdidaktisch mit Argumenten unterlegt. Grundlage dafür sind Modelle des Schriftspracherwerbs, die Orthografie als systematisch strukturiertes, regelgeleitetes System beschreiben.
Die aktuelle Diskussion differenziert daher weniger zwischen „Diktat ja oder nein“, sondern stärker zwischen Funktion (Übung, Diagnose vs. Leistungsbewertung) und Format (klassisches Diktat vs. vielfältige Übungsformen).
Klassisches Diktat: Darunter wird in der Regel ein vollständiger Text oder eine Wörterliste verstanden, die von der Lehrkraft allen Schülerinnen und Schülern gleichzeitig und im gleichen Tempo diktiert wird. Typisch ist eine prüfungsähnliche Situation mit anschließender Fehlerzählung und ggf. Benotung.
Übungsdiktate und alternative Diktatformen: Inzwischen werden in der Literatur zahlreiche alternative Formen beschrieben, etwa Lauf-, Partner-, Schleich-, Wende- oder Dosendiktate sowie Lücken- oder Schwerpunktdiktate. Diese Formate sind didaktisch flexibler angelegt, häufig kooperativ oder selbstgesteuert organisiert und primär als Übungs- bzw. Diagnoseinstrumente gedacht.
Kurz: Das klassische Diktat ist als umfassendes Instrument der Lernerfolgskontrolle oder als Klassenarbeit aufgrund begrenzter Validität und Kompetenzabbildung nicht geeignet.
Potenziell adressierte Kompetenzen
Ein klassisches Diktat prüft verschiedene, nicht immer intendierte Kompetenzen:
Teilaspekte orthografischer Kompetenz (Abruf gespeicherter Schreibungen, teilweise Automatisierung),
auditives Verarbeiten und Umsetzen (Zuhören, kurzfristiges Behalten, Verschriften),
Aufmerksamkeit und Konzentration in strukturierter Arbeitssituation,
Schreibflüssigkeit und Tempo als Performanzaspekte.
Zu betonen ist jedoch, dass diese Kompetenzen im Diktat nicht isoliert erfasst werden, sondern stark miteinander und mit situativen Faktoren verflochten sind.
Die Fachliteratur führt mehrere gewichtige Einwände an, die gegen das Diktat als Mittel zur Leistungsbewertung sprechen:
Begrenzte Validität als Rechtschreibtest: Es werden nicht ausschließlich Aspekte von Rechtschreibkompetenz erfasst, sondern auch Stressresistenz, Schreibtempo und Konzentrationsfähigkeit. So wurde nachgewiesen, dass insbesondere der Zeitdruck schwächere Schülerinnen und Schüler dazu bringt, wegen nachlassender Konzentrationsfähigkeit zunehmend Fehlschreibungen zu produzieren.
Reduzierte Kompetenzabbildung: Strategienutzung (z. B. Verlängern, Ableiten) und Selbstkorrektur auf Grundlage kompetenter Nutzung von Rechtschreibhilfen bleiben weitgehend unberücksichtigt. Diese sind jedoch zentrale Standards für den Kompetenzerwerb im Bereich der Rechtschreibung, die sowohl in den Bildungsstandards als auch im RLP 1-10, Teil C Deutsch aufgeführt sind.
Didaktische Verengung: Ein stark auf Klassendiktate ausgerichteter Unterricht kann in ritualisierte Vorbereitung–Durchführung–Berichtigung-Zyklen übergehen. Diese Verengung widerspricht den Vorgaben des Rahmenlehrplans 1-10, Teil C Deutsch, der einen integrativen Deutschunterricht einfordert. Studien zeigen zudem, dass Kinder beim isolierten Diktattraining oft nur situationsspezifisches Wissen aufbauen. Es findet kein Transfer statt vom beim Diktat gezeigten Rechtschreibkönnen auf freie Textproduktionen. Kinder lernen die Wörter eher mechanisch, isoliert und zeitlich begrenzt auswendig, statt nachhaltige Rechtschreibstrategien zu entwickeln. So zeigen Thomé & Thomé (2014), dass reines Diktatüben zu „Scheinkompetenz“ führt: Kinder performen in geübten Diktaten gut, versagen aber bei ungeübten Wörtern.
Insgesamt ergibt sich: Als Form der Leistungsbewertung von Rechtschreibkompetenz ist das klassische Diktat nur eingeschränkt geeignet.
Die VV-Leistungsbewertung lässt das Diktat nicht als Klassenarbeit zu, da es weder alle Anforderungsbereiche abbildet noch verschiedene Kompetenzbereiche des Faches Deutsch einschließt, was Voraussetzung für eine Klassenarbeit wäre. Alternative Formen sind ausdrücklich zulässig.
Diktatformen als Lerngelegenheiten: Aus didaktischer und pädagogischer Sicht können verschiedene Diktatformen – unter klar definierten Bedingungen – als Übungsformate sinnvoll sein, wenn sie
kurz,
inhaltlich transparent vorbereitet,
auf zuvor Geübtes begrenzt,
und in eine förderorientierte Auswertung eingebettet sind.
In diesem Verständnis dienen diese Diktatformen nicht der Leistungsbewertung, sondern der Festigung und Diagnose. Regelmäßige Überprüfungen können lernwirksam sein, sofern sie mit Rückmeldung und der Planung nächster Lernschritte verbunden sind. Alternative Diktatformen (z. B. Schleich- oder Dosendiktat) verschieben den Schwerpunkt stärker auf
das Üben: Lesen – Erinnern – Schreiben – Vergleichen – Korrigieren,
Fehleranalyse und Diagnose,
Selbstkontrolle und Selbstreflexion und
kooperative Lernformen.
Im Land Brandenburg werden diese Formen als gängige Übungspraxis beschrieben und durch die Arbeit mit dem aktualisierten Grundwortschatz gefördert. Unterstützt wird dieses Vorgehen auch in den Veröffentlichungen von Weinhold (2010): Sie untersuchte verschiedene Rechtschreibförderkonzepte und fand heraus, dass strategieorientierte Ansätze deutlich effektiver sind als das Diktattraining.
In dem Zusammenhang haben sich regelmäßige Rechtschreibgespräche (z. B. im Rahmen des „Satz des Tages“) als sehr effektiv und nachhaltig erwiesen, da die Reflexion über Rechtschreibschwerpunkte und -strategien nachhaltig die Rechtschreibkompetenz fördern.
Diktatformen für die Leistungsüberprüfung: Wie beispielhaft in den Orientierungsarbeiten für die Jahrgangsstufen 2 und 4 gezeigt, können spezielle Diktatformen bis in die Sekundarstufe I, z. B. Lückendiktat, sinnvoll für eine Bewertung der Rechtschreibkompetenz herangezogen werden.
Einordnung in das Curriculum: Im Land Brandenburg ist für die Jahrgangsstufen 2–6 vorgesehen, dass schriftliche Arbeiten einen Schwerpunkt im Bereich Orthografie enthalten. Das konkrete Format legt die Schule fest. Für die Jahrgangsstufen 7 bis 10 wird empfohlen, pro Schuljahr eine schriftliche Lernerfolgskontrolle mit dem Schwerpunkt „Rechtschreibkompetenz“ zu schreiben. Die Fachkonferenz Deutsch entscheidet über die methodisch-didaktische Ausgestaltung der Leistungsbewertung und verankert entsprechende Grundsätze im schulinternen Curriculum.
Der Einsatz klassischer Diktate als Leistungsüberprüfung wird seit über 30 Jahren überaus kritisch diskutiert und deren eingeschränkte Validität wurde fachdidaktisch sehr gut begründet. Dennoch findet es laut Aussagen von Brandenburger Lehrkräften und Eltern nach wie vor breite Anwendung – vermutlich, weil es aus der eigenen Schulzeit als vermeintlich zielführendes Instrument bekannt ist, gefühlt objektiv und effektiv die Rechtschreibkompetenz prüft und mit vergleichsweiser einfacher Vorbereitung, Durchführung und Kontrolle eingesetzt werden kann. Hier bedarf es Aufklärung und Fortbildung.
Redaktionell verantwortlich: Jan Steckmeister
Der Bildungsserver Berlin-Brandenburg ist ein Service des Landesinstituts Brandenburg für Schule und Lehrkräftebildung im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (Berlin) und des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport Land Brandenburg.




