Rahmen- und Kernbereiche

Qualitätsmerkmale guter ganztägiger Bildung und Betreuung
Die Qualitätsmerkmale setzen sich aus Rahmenbereichen (was Halt gibt und verbindet) und Kernbereichen (die funktionale Bereiche, die die Inhalte der strukturellen Zusammenarbeit ausmachen) zusammen. Kernbereiche sind die Grundlage, die Rahmenbereiche sind Gestaltungsvariablen.
| Führung/Steuerung | Das Leitungsteam (Schul- und Hortleitung) nimmt eine Schlüsselrolle ein, ohne die der Prozess nicht begonnen und weitergeführt werden kann. Eine transparente und strukturierte Steuerung ist eine maßgebliche Voraussetzung für die Organisations- und Personalentwicklung. |
| Kooperationsvereinbarung (und vormals Ganztagskonzept) | Die Kooperationsvereinbarung (auch bei Schulen, die nach VV Ganztag anerkannte Ganztagsschulen sind) ist das zentrale Element der systematischen Qualitätsentwicklung. Hier ist der Bildungsauftrag der Kooperationspartner und -partnerinnen, planerisch konzeptionelle Aspekte der Kooperation und die Grundlagen der Zusammenarbeit festgehalten. |
| Multiprofessionelle Zusammenarbeit | Die Standorte der gemeinsamen ganztägigen Bildung und Betreuung werden durch die bewusst gestaltete und kontinuierliche Zusammenarbeit von Kolleginnen und Kollegen unterschiedlicher Professionen bereichert. Dadurch werden für die Kinder und Jugendlichen erweiterte und vertiefte Lernerfahrungen sowie Übergänge ohne Brüche in der ganztägigen Bildung und Betreuung geschaffen. |
| Bildungselemente | Bildungselemente bezeichnen alle fakultativen und obligatorischen Lernangebote des ganztägigen Zusammenseins. Die Bildungselemente werden in formales Lernen (z. B. Unterricht), non-formales Lernen (z. B. Arbeitsgemeinschaften) und informelles Lernen, also unplanmäßiges Lernen im Alltag (z. B. Pausen, Erholungs-, Spiel- und Freizeiten), unterschieden. Die Bildungselemente entfalten ihre Wirkung insbesondere dann, wenn sie eng mit der Rhythmisierung zusammengedacht werden. |
| Individuelle Entwicklung | Der Begriff individuelle Entwicklung betont den ganzheitlichen Prozess der Persönlichkeitsbildung, Lernwege und Begabungspotenziale, während individuelle Förderung nur gezielte Hilfestellungen beschreibt. Die Individuelle Entwicklung hingegen umfasst Lebenswelt, Bedürfnisse und Selbststeuerung der Kinder und bildet damit den Rahmen für nachhaltiges Lernen. |
| Sozialraumverankerung | Der Bildungsstandort wird geöffnet, indem das Ganztagsangebot in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnerinnen und -partnern gestaltet ist. Eine stärkere Öffnung geschieht, wenn zusätzlich Lernorte außerhalb der Schule einbezogen, an regionalen Gremien teilgenommen und sich dadurch im Sozialraum vernetzt wird. Auf der lebensweltlichen Ebene werden verschiedene Aktionsbereiche der Heranwachsenden miteinander verknüpft. |
| Raum | Eine pädagogisch gestaltete Lernumgebung, welche das Wohlbefinden und die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen ins Zentrum rückt und auf die Erfordernisse der Ganztagsangebote abgestimmt ist, leistet einen echten Beitrag für gelingende ganztägige Bildung und Betreuung. Lern- und Lebensräume sind Orte, an denen sich Kinder und Jugendliche kognitiv herausgefordert und emotional geborgen fühlen, die aber auch für die Pädagoginnen und Pädagogen Ressourcen zum Arbeiten und Entspannen bieten. |
| Rhythmisierung | Die geeignete Rhythmisierung des Tagesablaufes ermöglicht, alle Kernbereiche der Bildungsstandorte für ganztägige Bildung sinnvoll und abwechslungsreich miteinander zu verknüpfen. Es werden die Voraussetzungen zur Leistungserreichung, zur Chancengerechtigkeit und für das Wohlbefinden geschaffen. <7span> |
| Verpflegung | Die Verpflegung wird als eigenständiger Kernbereich angeführt, um sowohl pädagogische als auch organisatorische Aspekte dieses „genuinen Merkmals der Ganztagsschule“ (Kultusministerkonferenz) zu betonen. Sowohl die zeitliche Verankerung der Mahlzeiten im Tagesablauf als auch die gestalterischen Möglichkeiten zur Umsetzung der Verpflegung werden damit adressiert. |
Die Kinder im Zentrum
Kinder und Jugendliche ins Zentrum des Lernens zu stellen hat vor allem zwei Aspekte zur Grundlage:
- ihre Meinungen und Ideen in Form von Teilhabe und Partizipation zu nutzen und
- ihr Wohlergehen und ihre psychische und physische Gesundheit als Lernerfolgsfaktor zu verstehen.
Seelisch gesunde Kinder sind in der Regel glücklicher, zeigen weniger Gewaltbereitschaft, verfügen über ausgeprägtere soziale Kompetenzen, sind offener für neue Lerninhalte und entwickeln ihre Persönlichkeit insgesamt positiv. Ein gemeinsames Verständnis von Bildung, das Lernen als ganzheitlichen Prozess und als Ergebnis der aktiven Auseinandersetzung mit sich selbst und der Umwelt begreift, rückt neben dem Erwerb von Wissen auch die Entfaltung der individuellen Fähigkeiten und die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder ins Zentrum der pädagogischen Arbeit.
Klar ist, die Kinder sind über den ganzen Tag die gleichen. Ihnen ist es egal, wer der Träger ist oder welcher Rechtsrahmen gilt. Für sie zählt, dass sie gesehen werden.
Umsetzung der KMK Empfehlungen bei den Rahmenbereichen
Die Rahmenbereiche bilden das Gerüst des Ganztagsriesenrades. Sie ermöglichen die Umsetzung der Kernbereiche und schaffen die Voraussetzungen der Qualitätsentwicklung. Ohne eine Arbeit an den Rahmenbereichen kann die ganztägige Bildung und Betreuung nicht funktionieren und die Kernbereiche nicht einheitlich gestaltet werden. Legen Sie in der Qualitätsentwicklungsarbeit also besonderen Fokus auf das Umsetzen der Rahmenbereiche als Grundlage von ganztägiger Bildung und Betreuung. Die Formulierung der Rahmenbereichen beruht auf den folgenden KMK Empfehlunge:
| Führung und Steuerung | KMK-Empfehlung 3: Die Steuerung und Ausgestaltung des Ganztagsangebots wird von der Schulleitung und ggf. mitwirkenden Kooperationspartnern partizipativ verantwortet. |
| Kooperationsvereinbarung | KMK-Empfehlung 9: Ganztagsschulen und Träger weiterer ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote gestalten die pädagogische Praxis auch in Kooperation mit Angeboten der freien Kinder- und Jugendhilfe. KMK-Empfehlung 12: Ganztagsschulen und Träger weiterer ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote sichern die Qualität der Ganztagsangebote und überprüfen ihre Wirkung. |
| Multiprofessionelle Zusammenarbeit | KMK-Empfehlung 5: Für gelingende ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote ist die Kooperation unterschiedlicher Professionen in festen Kooperationsstrukturen erforderlich. |
Umsetzung der KMK Empfehlungen bei den Kernbereichen
Dargestellt in Form der Gondeln, bilden die Kernbereiche eine inhaltliche Struktur, die in den Bildungsstandorten ganztägig erkennbar ist. Sie lädt die Kinder und Jugendliche zur freien Entfaltung und Persönlichkeitsentwicklung ein, sorgt aber auch bei den pädagogischen Fachkräften für eine angenehme Arbeitsumgebung, in der sie auf sich achten können.
Bildungselemente | KMK Empfehlung 2: Ganztagsschulen und Träger weiterer ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote fördern Kompetenzen und machen konzeptionell miteinander verbundene formale, non-formale und informelle Lernangebote. KMK Empfehlung weitere Ausführungen: Ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote bieten den zeitlichen Rahmen für mehr Lernangebote, wobei hier ein weiter Lernbegriff das soziale Lernen, aber auch übergreifendes Lernen wie beispielsweise digitales Lernen, demokratisches Lernen, Bewegungsangebote oder Angebote der kulturellen Bildung umfasst. |
Individuelle Entwicklung | KMK Empfehlung weitere Ausführungen: Ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote ermöglichen inklusive Lern- und Lebensräume und berücksichtigen die Bedürfnisse und Fähigkeiten aller Kinder, insbesondere auch mit Bedarf an besonderen Bildungs- und Unterstützungsangeboten. KMK Empfehlung weitere Ausführungen: […] soll verschiedenen Lernsettings und den individuellen Bedürfnissen der Kinder nach Wissenserwerb, Bewegung, Rückzug und Begegnung gerecht werden. |
Raum | KMK Empfehlung 11: Ganztagsschulen und Träger weiterer ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote gestalten Raum und Räume auch durch kreative Flächennutzungskonzepte zu kindgerechten Lern- und Lebensräumen. |
Rhythmisierung | KMK Empfehlung 4: Ganztagsschulen und Träger weiterer ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote ermöglichen einen Schultag mit rhythmisierten und flexiblen Zeitstrukturen. |
Verpflegung | KMK Empfehlung 10: In Ganztagsschulen und weiteren ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangeboten wird für jedes Kind ein gesundes Mittagessen angeboten. |
Sozialraumverankerung | KMK Empfehlung 7: Lernorte mit ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangeboten knüpfen tragfähige Netzwerke im Sozialraum und kooperieren mit außerschulischen Partnern. KMK Empfehlung 9: Ganztagsschulen und Träger weiterer ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote gestalten die pädagogische Praxis auch in Kooperation mit Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe. |
