Dreiklang guter ganztägiger Bildung und Betreuung

Im 21. Jahrhundert bedeutet Ganztag, Horte und Schulen als Bildungsstandorte gemeinsam weiterzuentwickeln. Zentral dafür ist, dass die kooperierenden Institutionen ein gemeinsames Bildungsverständnis formulieren und weiterentwickeln, bei dem die Bildung und Betreuung der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt steht.
Bildung steht im 21. Jahrhundert vor tiefgreifenden Veränderungen: Die gesellschaftliche Mitte wird älter, Kinder und ihre Familien sind in der Minderheit und ihre Lebensrealitäten sind vielfältiger denn je. Migrationserfahrungen, körperliche und ökonomische Voraussetzungen, Familienformen, Herkunftsräume, Sprachen und verschiedene Religionen prägen die Kindheit und den Familienalltag. Gleichzeitig verändern technologische Entwicklungen die Gesellschaft massiv: Die Digitalisierung schreitet voran, und mit der Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge wird der Mangel an pädagogischem Personal und finanziellen Ressourcen spürbarer. Außerdem sehen wir uns auch vor großen ökologischen Herausforderungen. All das fordert uns heraus. Es birgt aber auch die Chance auf einen Kulturwandel. In dieser Situation kann ganztägige Bildung und Betreuung zu einem zentralen Motor für die Weiterentwicklung von Bildungsstandorten werden. Ganztägige Bildung und Betreuung kann den Weg ebenen, um eine resiliente neue Generation bei der Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen, Ihre Stärken und Potentiale zu wecken und somit den regionalen und überregionalen Herausforderungen gemeinsam entgegenzutreten.
Um die Kinder und Jugendlichen ins Zentrum zu stellen, haben Fullan & Gallagher (2020) drei Ziele formuliert, hinter denen sich alle versammeln sollten. Für die deutsche Bildungslandschaft hat Professor Anne Sliwka diesen Dreiklang geprägt und adaptiert, der auch für das Land Brandenburg gelten kann:
WOHLBEFINDEN - CHANCENGERECHTIGKEIT - LEISTUNG
Wohlbefinden und Persönlichkeitsentwicklung fördern
Partizipative ganztägige Bildung und Betreuung lädt Kinder ein, ihren Alltag aktiv mitzugestalten. Lernen und Leben werden durch kreative Angebote, Spiel, Bewegung, künstlerische Impulse und soziale Erfahrungen verbunden. Kinder und Jugendliche müssen sich gesehen und gestärkt fühlen, sich engagieren dürfen und ihre Interessen entfalten können. Regelmäßige Rückmeldungen von Kindern, Lehrkräften und Eltern helfen dabei, das Wohlbefinden systematisch im Blick zu behalten.
Chancengerechtigkeit verwirklichen
Ganztag kann strukturelle Ungleichheiten gezielt ausgleichen – durch zusätzliche pädagogische Fachkräfte, unterstützende Angebote, Raum für Sprachförderung und soziale Teilhabe. Schulen und Horte werden so zu Anlaufstellen, die sozioökonomische Strukturen ausgleichen und allen Kindern – unabhängig von Herkunft und Lebenslage – gerechte Bildungswege eröffnen.
Kompetenz und Leistung stärken
Ganztag bietet Zeit und Raum für vertieftes Lernen, individuelle Förderung und die Entwicklung überfachlicher Kompetenzen. Sie ermöglichen neue Formen der Lernorganisation, stärken eigenverantwortliches Arbeiten und machen es leichter, unterschiedliche Lernvoraussetzungen zu berücksichtigen. Ziel ist, dass alle Kinder und Jugendliche die Mindeststandards erreichen, viele darüber hinauswachsen und niemand zurückgelassen wird.