Zitat August 2012

Zitat August 2012

Zitat August 2012

"Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!"

John F. Kennedy

Warum habe ich das ausgewählt?
Was hält eine Gesellschaft zusammen? Der demokratische und soziale Staat ist eine Errungenschaft, der wir viel zu verdanken haben. In Deutschland und insbesondere in Berlin hat sich aber die Erwartung daran, was an gesellschaftlichen Problemen durch Politik oder durch den Staat gelöst werden kann, historisch sehr stark entwickelt.

Gerade im Bereich Bildung und Schule kann eine solche Haltung dazu führen, dass die  Verantwortung der Einzelnen für gelingende Bildungsprozesse unklar wird. Eine starke Außensteuerung der Bildungseinrichtungen durch den Staat kann zu Passivität und einer zu hohen Erwartungshaltung der Akteure führen – und zwar aller, der Lehrenden wie der Lernenden und der Eltern. Dann heißt es leicht: „Schuld sind immer die anderen.“ Eine solche Haltung ist dem Bildungsprozess der Individuen abträglich und fördert keineswegs die aktive Verantwortung für eine demokratische Teilhabe, sondern eher eine hohe Bereitschaft zur Externalisierung von Schuld, wenn Prozesse misslingen. Mit dieser Verteilung bzw. eben Nicht-Verteilung von Verantwortlichkeit und Zuständigkeit ist heute keine gute Schule zu machen.

Die Neujustierung dieser Verteilung von Verantwortung zur Lösung gesellschaftlicher Probleme zwischen Staat und Gesellschaft, gesellschaftlichen Institutionen und Individuen, ist eine der zentralen Herausforderungen von Bildungsreformen.

Wie kann Bildung durch die Lernenden stärker als ihre persönliche, durch die Bildungseinrichtungen als ihre eigene und durch die Bürger als gesellschaftliche Aufgabe begriffen werden? Wie kann Bildung  im besten Sinne zu einer res publica gemacht werden? Wie können Organisationsformen gefördert werden, die die persönlichen Beziehungen und Verantwortlichkeiten im gesellschaftlichen Nahbereich stärken und damit zu einem größeren sozialen Zusammenhalt und Verantwortungsbewusstsein beitragen? Wie können z. B. im Bildungsbereich unterschiedliche Chancen von Kindern dadurch ausgeglichen oder gemindert werden, dass zwischen Kindern bzw. Schülern Partnerschaften gebildet werden, von denen beide jeweils profitieren können. Buddy-Projekte verfolgen diese Idee bereits oft mit anderen Inhalten. Patenschaften können auch Erwachsene einbeziehen, Lese- und Lernpatenschaften und ähnliche Netzwerke können Ausdruck solcher Verantwortungsübernahme sein, zum Ausgleich von Benachteiligen und damit auch zum sozialen Zusammenhalt etwas beitragen.

Gesellschaften, die in hohem Maße über solche Formen von Eigenaktivität verfügen, haben in der Regel eine optimistischere Grundstimmung. Selbstwirksamkeit oder die Überzeugung, dass die eigene Leistungsbereitschaft und Aktivität entscheidend zur guten Lebensgestaltung gehört, führt in der Regel zu größerer Zufriedenheit als die Warterei auf das Handeln Dritter. Hierzu leistet hoffentlich auch das Bürgernetzwerk Bildung des VBKI seinen Beitrag.

Sybille Volkholz

Leiterin des "Bürgernetzwerks Bildung" des VBKI und Mitglied im Beirat Bildung und Erziehung der Stiftung Brandenburger Tor

Trägerin des Bundesverdienstkreuzes 

 

Am 04.05.2012 wurde Frau Volkholz zur Vorsitzenden des Beirats zum Gesamtkonzept „Inklusive Schule in Berlin“ berufen. (Siehe Pressemitteilung von SenBJW)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM