Zitat Juli/August 2011

Zitat Juli/August 2011

Zitat Juli/August 2011

„Das ist das Geheimnis des Gesprächs, dass der Andere mir zurückgibt, was uns gemeinsam beschäftigt.“ (Hans Georg Gadamer)

Dieser Satz sagt sehr viel über Bildung und Erziehung: Lehrende sind immer auch Lernende und umgekehrt – ob in der Kita oder in der Schule, an der Hochschule oder am Arbeitsplatz. Deshalb gelingt Bildung am besten im Dialog und in der Zusammenarbeit. Mit diesem Satz öffnet der Philosoph Hans Georg Gadamer zugleich einen Blick auf die Schule der Zukunft.

Für mich ist die Schule der Zukunft ein Ort, an dem kein Kind zurückgelassen, sondern jedes Kind optimal gefördert wird – mit all seinen Fähigkeiten und Unzulänglichkeiten. Die Schule der Zukunft wird ein Ort sein, an dem jedes Kind genau die Unterstützung bekommt, die es braucht, um seine Persönlichkeit und seine Fähigkeiten optimal zu entwickeln.

Noch wichtiger scheint mir anzuerkennen, dass Lernen immer Eigenaktivität ist. Lernen kann jedes Kind, jeder Jugendliche nur selbst. Die Fähigkeit dazu bringen wir schon mit auf die Welt und können sie ein Leben lang weiterentwickeln. Und: jedes Kind lernt anders. Jedes Kind hat individuelle Voraussetzungen - je nach Alter und Entwicklungsstand. Jedes Kind hat besondere Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnisse und entwickelt eigene Lernstrategien. Wissenschaftler haben schon bei Kindern im Vorschulalter sieben verschiedene Lernstrategien beobachtet.

Ein Kind braucht eine anregende Lernumgebung, in der es auf seinem individuellen Lernweg gefördert und in seiner Neugier bestärkt wird, in seiner Lust am Entdecken und bei seinem Engagement für die Sache. Kinder und Jugendliche brauchen Lernorte, an denen sie voneinander lernen können. Nicht nur die Kinder, denen das Lernen schwerer fällt, lernen von den Kindern, denen es leicht fällt. Auch hochbegabte Kinder und Jugendliche profitieren in ihrer kognitiven Entwicklung vom gemeinsamen Lernen.

Deshalb bin ich davon überzeugt, dass die Schule der Zukunft ein Ort der Wertschätzung des Anderen sein wird, eine Schule der Vielfalt - von Lernwegen, Lernstrategien und Begabungen. Eine solche Schule fördert individuelle und kooperative Lernprozesse von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichem kulturellem und religiösem Hintergrund und mit unterschiedlichen körperlichen, seelischen und geistigen Voraussetzungen.

Wenn wir von der Wertschätzung des Anderen ausgehen und wenn wir anerkennen, dass Lernen immer  Zusammenarbeit bedeutet, dann kann die Schule der Zukunft nur eine sein, in der alle Kinder willkommen sind und gemeinsam lernen.

Dr. Martina Münch
Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM