Zitat Juni 2014

Zitat Juni 2014

Zitat Juni 2014

 

"Wir brauchen Lehrer, die Unterricht nicht als Monolog sehen, sondern als Dialog, die immer und immer wieder im Schüler etwas suchen, wovon keiner etwas weiß und woran schon keiner mehr glaubt, die mit Leidenschaft und Kompetenz von ihrem Wissen, aber auch ihrem Leben erzählen."

(John Hattie – Bildungsforscher)

 

Die Segregation der deutschen Schullandschaft ist, wie in vielen westlichen Ländern, keine Randerscheinung mehr. In deutschen Großstädten besuchen mittlerweile knapp 70% der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund (dagegen nur 17% ohne MH) eine Schule mit einer geringen sozialen Mischung in häufig segregierten Stadtteilen. Diese Entwicklung hat besonders gravierende Folgen für die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien mit Einwanderungsbiographien. Gerade diese Schülerinnen und Schüler brauchen in besonderem Maße Menschen, die an sie glauben und ihnen das Gefühl geben, dass sie zum einen ein berechtigter Teil der Gesellschaft sind, in der sie aufwachsen, und zum anderen auch gebraucht werden. Das ist das primäre Ziel unseres bundesweiten Mentoringprogramms "Dialog macht Schule".


Das Mentoringprogramm bildet vorwiegend Studierende, meist mit eigener Einwanderungsgeschichte, zu Dialogmoderatoren aus. Diese jungen Menschen sind Identifikationsfiguren und Vorbilder für die Schülerinnen und Schüler unserer Zielgruppe und bringen als solche ihr Wissen und ihre persönlichen Geschichten in der Arbeit mit ihnen ein. Die Kinder und Jugendlichen werden wöchentlich im Rahmen des Unterrichts oder in verpflichtenden Arbeitsgemeinschaften zwei Jahre lang von den Dialogmoderatoren begleitet. Viel Zeit, um Vertrauen aufzubauen, ihre lebensweltlichen Themen zu erkunden, diese im Dialog in einen gesellschaftspolitischen Kontext zu setzen und in langfristige Projekte umzusetzen. Themenkomplexe wie Identität, Heimat, Zugehörigkeit, Geschlechterrollen, Gerechtigkeit, Rassismus, Grund- und Menschenrechte werden schrittweise bearbeitet, vertieft und dabei persönliche, soziale und demokratische Kompetenzen aufgebaut. Die Schülerinnen und Schüler werden so nach und nach an gesellschaftliche und politische Themen herangeführt, lernen Verantwortung zu übernehmen und machen die Selbstwirksamkeitserfahrungen, die sie als mündige Bürgerinnen und Bürger brauchen.


Wir wollen aber nicht nur Lernende erreichen, sondern auch die Lehrenden mitnehmen. Durch unsere langfristige Arbeit in den Schulen können wir bedarfsspezifische Fortbildungsangebote für Lehrkräfte entwickeln und anbieten, um Schulen bei ihrer interkulturellen Öffnung zu unterstützen.


John Hatties Zitat bringt also sehr gut auf den Punkt, worum es bei der Arbeit von "Dialog macht Schule" geht: Um die Schaffung von geschützten und vorurteilsfreien Räumen, in denen es möglich ist, mit Bezugspersonen in Interaktion zu treten und Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten für sich zu entdecken.

Hassan Asfour wurde 1982 im Libanon geboren und lebt seit 1985 in Berlin. Er ist Co-Gründer und Geschäftsführer des gemeinnützigen Trägers "Dialog macht Schule".

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM