Zitat Mai 2012

Zitat Mai 2012

Zitat Mai 2012

„Es ist normal, verschieden zu sein“
Richard von Weizsäcker

Dieser Satz von Richard von Weizsäcker, 1993 zur Eröffnung der Tagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte geprägt, ist heute, wo es um die Umsetzung  der UN - Behindertenrechtskonvention (UN – BRK) geht, aktueller denn je.

Für mich persönlich ist die Verschiedenheit von Menschen und ihr Zusammenleben ganz normal, denn ich bin aufgewachsen in einer christlichen Familie, meine Mutter war Erzieherin bei körperbehinderten Kindern und Jugendlichen im Heim des Oberlinhauses, die sie oft an Feiertagen mit nach Hause brachte, mein Vater war blind, mit ihm habe ich die Blindenschrift gelernt, damit er eigenständig Bücher lesen konnte und nicht nur auf das Vorlesen oder Radio angewiesen war.

Diese Erfahrungen bewogen mich auch dazu, den Beruf der Erzieherin / Lehrerin zu ergreifen, denn ich wusste, dass alle Kinder lernen können und ihnen das notwendige Wissen und Können auf dem Weg ins Leben mitzugeben war mir immer eine Herzensangelegenheit. Dass Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen mit adäquater Unterstützung auf ihre individuelle Situation zugeschnitten ihren Lebensweg positiv beschreiten können, zeigen mir die Lebenswege meiner ehemaligen Schüler der Hilfsschule (heute Förderschwerpunkt „Lernen“)

Aufgrund meiner Erfahrungen und weil ich überzeugt war und bin, dass jedes Kind lernen kann, habe ich 1991 das Studium der „Geistigbehindertenpädagogik“ absolviert, um mir auch für dieses Schülerklientel (das in der DDR kein Recht auf schulische Bildung hatte) das nötige Fachwissen anzueignen.

In der Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ in der ich tätig bin, lernen Schüler mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen von geistigen Behinderungen (schwere Mehrfachbehinderung, Autisten, genetisch bedingte Syndrome, leichte geistige Behinderung).

Dementsprechend  sind Menschen mit unterschiedlichen Professionen, Sonderschullehrer, Lehrer, Erzieher, Heilerziehungspfleger, Therapeuten und Sozialarbeiter in meiner Schule tätig.  Eine gute Zusammenarbeit im Team ist hierfür Voraussetzung. Für uns ist es selbstverständlich, dass ein Kind/Jugendlicher vielfältige  Hilfen erhält, die es zum Lernen benötigt, damit es/er ein möglichst selbständiges Leben führen kann.

Ich denke oft, wenn ich die Debatte um die inklusive Schule verfolge, dass  meine Schule  zur Verwirklichung der Umsetzung des Artikel 24 der UN – BRK für Schulen wertvolle Anregungen bieten könnte mit der räumlichen Ausstattung, dem Ganztagsbetrieb, dem multiprofessionalen Personal und einem Focus, der auf das Kind und auf den Abbau von Barrieren gerichtet ist, damit jedes  Kind verschieden sein und seinen Möglichkeiten entsprechend lernen kann. Damit dies auch in „inklusiven“ Schulen gelingen kann, sollten die notwendigen Ressourcen dafür bereitstehen.

 

Edith Volkmer
Schulleiterin der Comenius-Schule Potsdam, einer  Förderschule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM