DigCompEdu BB - ein Rahmen für die digitalen Kompetenzen von Lehrenden in Brandenburg

Der Kompetenzrahmen DigCompEdu Brandenburg (DigCompEdu BB) bietet die Möglichkeit für alle Lehrkräfte in Brandenburg, ihr eigenes schulisches und pädagogisches Handeln im Hinblick auf den digitalen Wandel systematisch zu reflektieren und einzuordnen. Der Name DigCompEdu Brandenburg leitet sich aus dem „Europäischen Rahmen für die digitale Kompetenz Lehrender“ (DigCompEdu) ab – die erste umfassende Formulierung von Kompetenzanforderungen für Lehrende in einer digital geprägten Welt. Der DigCompEdu BB ist eine inhaltliche Weiterentwicklung des Europäischen Rahmens. Vereinzelt wird auf den DigCompEdu Bavaria und die Ausarbeitungen der Projektgruppe „Lernen mit digitalen Medien" der Pädagogischen Hochschule Schwyz zurückgegriffen. Der DigCompEdu BB wurde demgegenüber mit Blick auf die brandenburgischen Rahmenbedingungen angepasst. Der DigCompEdu BB bezieht alle Phasen der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften ein und bietet damit die Chance der systematischen Abstimmung zwischen diesen.
Begriffe wie „Digitalität“ und „Kultur der Digitalität“ tauchen häufig im Kontext der Digitalisierung auf, etwa im DigCompEdu Brandenburg im Bereich 7 (Digitalität verstehen und gestalten). Während Digitalisierung einen Prozess der Automatisierung und datenbasierten Informationsverarbeitung beschreibt, bezeichnet Digitalität die kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen durch digitale Technologien.
Kompetenzbereiche und Kompetenzstufen
Der DigCompEdu BB beschreibt Kompetenzen in sieben Bereichen, die Teil von schulischen
und pädagogischen Handlungsfeldern sind:
1. Berufliches Engagement beschreibt das berufliche Umfeld, die Reflexion der eigenen
digitalen pädagogischen Kompetenz und digitale Formen der Weiterbildung.
2. Digitale Ressourcen bezieht sich auf die Auswahl, die Erstellung und das Teilen von
digitalen Ressourcen.
3. Lernen und Lehren zielt auf das Lehren und Lernen mit digitalen Medien ab, wozu
auch Lernbegleitung, selbstgesteuertes Lernen und kollaboratives Lernen gehört.
4. Lernen über Medien formuliert Methodenkompetenzen für Lehrkräfte zur Entwicklung
kritisch-reflexiver Medienkompetenz bei Schülerinnen und Schülern.
5. Lernendenorientierung bezieht sich auf den Einsatz von digitalen Technologien zur
Differenzierung, Inklusion und aktiven Einbindung von Lernenden.
6. Evaluation definiert umfassende Kompetenzen zu digital gestützten diagnostischen
Methoden, Formate der Leistungsbewertung und -visualisierung sowie Feedback.
7. Digitalität verstehen und gestalten adressiert eine offene und permanente Auseinan-
dersetzung mit neuen technischen Entwicklungen und Dynamiken in der Digitalisierung
Alle Kompetenzbereiche sind in Unterkompetenzen gegliedert, die wiederum in vier Stufen beschrieben werden. Die erste Stufe beschreibt Basiskompetenzen. Lehrende auf der zweiten Stufe haben ein breiteres Wissen und fundierte Fähigkeiten, welche flexible und adaptive Einsatz- und Unterrichtsszenarien erlauben. Auf der Stufe drei sind Fertigkeiten für eine kreative Gestaltung neuartiger Handlungsmuster für den eigenen Unterricht vorhanden.
Lehrende auf dieser Stufe haben einen innovativen und kritischen Zugang, der es ihnen erlaubt, qualitative Einschätzungen abzugeben. Stufe vier bietet einen Orientierungsrahmen für Personen, die in der Beratung und Fortbildung für Lehrkräfte und Schulen tätig sind.
Selbstevaluation auf der Basis des DigCompEdu BB
Basierend auf dem DigCompEdu BB wurden Items zur Selbstevaluation entwickelt. Diese sollen den Lehrenden ermöglichen, das eigene Kompetenzniveau zu visualisieren und zu reflektieren.
1.1 Organisatorische Kommunikation und Umgang mit personenbezogenen Informationen
Anwendung einer rechtssicheren und datenschutzkonformen Kommunikation für den beruflichen Kontext.
Kenntnis und Anwendung der DSGVO im Umgang mit personenbezogenen Daten
1.2 Berufliche Zusammenarbeit
Digtiale Technologien zur beruflichen Zusammenarbeit und für gemeinsames Wissensmanagment einsetzen
1.3 Reflektierende Praxis
Reflexion der eigenen digitalen pädagogischen Kompetenz
1.4 Berufliche Weiterbildung
Enwicklung der eigenen digitalen pädagogischen Kompetenz durch innovative, informelle Angebote, die über die institutionellen Fortbildungsangebote des Landes hinausgehen
2.1 Suchen und Auswählen
Anwendung von Informationskompetenzen, insbesondere Suchstrategien zur kritischen Auswahl oder zum Filtern von digitalen Ressourcen. Anwendung und Beurteilung von Lizenzierungsmethoden, kritische Auswahl und Bewertung digitaler Ressourcen, einschließlich KI-generierter Inhalte für den Unterricht
2.2 Erstellen und Anpassen von Ressourcen
Rechtssichere Erstellung, Bearbeitung und Lizenzierung digitaler Ressourcen
2.3 Teilen
Digitale Ressourcen rechtssicher und nach Grad der Zugänglichkeit teilen und verbreiten
3.1 Lehren
Lehr- und Lernszenarien mit digitalen Medien für den Unterricht umsetzen
3.2 Lernbegleitung
Anwendung von digitalem formativem Feedback im Lernprozess zur Hilfestellung und zur Anleitung als
Lernbegleitung. Auswertung von Feedbackdaten zur Unterstützung von Schülerinnen und Schülern
3.3 Kollaboratives Lernen
Kollaborative Lernszenarien mit digitalen Technologien für gemeinsame Wissenskonstruktionen nutzen
3.4 Selbstgesteuertes Lernen
Unterstützung durch digitale Technologien bei der Planung, Steuerung, Dokumentation und Reflexion von selbstgesteuerten Lernprozessen
4.1 Methodenkompetenz zur Entwicklung von kritisch-reflexiver Medienkompetenz bei Schülerinnen und Schülern
Entwicklung von Kompetenzen zum Schutz von persönlichen Daten, der Verwaltung der digitalen Identität und Geräten
4.2 Analyse und Reflexion von Medienangeboten und digitalen Technologien
Anwendung von Methoden zur Analyse und Reflexion digitaler Medienangebote und Technologien
4.3 Eigen- und sozial verantwortlich mit digitalen Medien handeln
Anwendung von Methoden zum rechtlich und ethisch reflektierten Umgang mit digitalen Medien
4.4 Vor Gefahren schützen, Risiken kennen, erkennen und vermeiden
Anwendung von Methoden, um Schülerinnen und Schüler für Gefahren und Risiken im digitalen Raum zu sensibilisieren und zu schützen
5.1 Barrierefreiheit und digitale Teilhabe
Berücksichtigung barrierefreier Zugängen für inklusive digitale Szenarien und Teilhabe
5.2 Differenzierung und Personalisierung von Lern- und Lehrszenarien
Anwendung von digitalen Technologien zur Differenzierung und Personalisierung des Lernens. Berücksichtigung von barrierefreien Zugängen für inklusive digitale Szenarien und Teilhabe
5.3 Aktives Einbinden der Lernenden
Einsatz von digitalen Technologien zur Gestaltung von Lehr-Lernszenarien, die aktive kreative und kritische Auseinandersetzungen fördern
6.1 Monitoring und Lerndiagnostik mit digitalen Medien
Anwendung und Auswertung diagnostischer Instrumenten und der gewonnenen Informationen
6.2 Digitale Informationen zu Lernverhalten, Leistung und Fortschritt
Kenntnisse von Systemen zur digitalen Erfassung von Lerndaten und deren Analyse
6.3 Summatives digitales Feedback
Anwendung von digitalen summativen Feedbacksystemen
6.4 Innovative Formate der Leistungsbeurteilung mit digitalen Medien
Mit digitalen Technologien die Vielfalt von Bewertungs- und Beurteilungsformaten erhöhen
7.1 Digitalität verstehen
Grundverständnis der Veränderungsprozesse von sozialen, kulturellen und technologischen Prakitken durch Digitalität und Digitalisierung
7.2 Auseinandersetzung mit neuen technischen Entwicklungen und Dynamiken in der Digitalisierung
Neue technische Entwicklungen kritisch aufgreifen, geschützte Umgebungen für neue Lernerfahrungen schaffen und Auswirkungen auf Unterricht reflektieren. Ethische Dimension von Digitalität und Digitalisierung berücksichtigen
7.3 Informatisches Denken und allgemeine Kompetenz im Umgang mit Daten
Prinzipien und Konzepte des informatischen Denkens kennen, verstehen und anwenden. Kompetenter Umgang mit Daten und der Datenverarbeitung
7.4 Digitalität gestalten
Gesellschaft aktiv bei der digitalen Transformation mitgestalten und eigene Wirkungsmöglichkeiten erkennen. Moralische und gesellschaftliche Aspekte von Digitalisierung und digitaler Kultur verstehen und reflektieren
Redaktionell verantwortlich: Jan Steckmeister
Der Bildungsserver Berlin-Brandenburg ist ein Service des Landesinstituts Brandenburg für Schule und Lehrkräftebildung im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (Berlin) und des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport Land Brandenburg.
