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Fortbildungsreise Yad Vashem 2022

Fortbildungsreise Yad Vashem 2022

SHALOM
Eindrücke, Wissen, Gedanken, Fragen, Erkenntnisse, Emotionen ... hier entsteht der BLOG der Reisegruppe "Brandenburg zu Besuch in Yad Vashem"

Seit dem Jahr 2018 besteht eine Kooperation zwischen der Internationalen Schule für Holocaust-Studien in Yad Vashem und dem Brandenburger Bildungsministerium. Das Ziel besteht darin, Brandenburger Lehrkräften während ihrer Fortbildungsreise in Israel die Möglichkeit zu geben, sich intensiv mit unterschiedlichen Aspekten der "Holocaust-Studien" auseinanderzusetzen. Dabei werden sie von Expert:innen Yad Vashems begleitet.

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Reisepause ist es nun einer weiteren Gruppe möglich, am 06.04.22 nach Israel zu fliegen.

Eine Auswahl der Programmpunkte, die die Lehrkräfte in der Zeit vom 06.04 - 14.04.2022 erwarten:

  • Wie genau funktioniert das Bildungskonzept Yad Vashems und welche Erinnerungskultur wird in Bezug auf die Shoa gepflegt?
  • Welche verschiedenen Zugänge können Lehrkräfte für ihren Unterricht wählen, um einen angemessenen Erstkontakt für die Schüler:innen und dem Thema "Shoa" zu ermöglichen?
  • Multiperspektivität und die Shoa - Diskussion über geeignete Unterrichtskonzepte für Grundschule sowie Sekundarstufen I und II.
  • Graphic Novel "Second Generation - Things I never told my father". Der Umgang der Kinder von Shoa-Überlebenden mit ihren Eltern in Bezug auf die Vergangenheit.
  • Antisemitismus heute?

Um zwischendurch wieder etwas Kraft zu tanken und freie Kapazitäten im Kopf zu schaffen, stehen u.a. auch ein Ausflug an das Tote Meer, intensive kulinarische Entdeckungen der israelischen Esskultur sowie eine Wanderung nach Masada auf dem Programm.

14.04.2022, Tag 9

Noch ein Shalom zum Abschied. Heute checkten wir früh aus dem Hotel aus, um vor unserem Rückflug ein paar Stunden in Jaffa - Tel Aviv verbringen zu können.

Jaffa ist nicht nur ein Vorort von Tel Aviv. Jaffa zeigte sich als idyllischer mediterraner Ort, in dem sich mehr als in Jerusalem die verschiedenen Welten, die uns in Israel immer wieder begegneten, vermischten. Kultur, Tradition, Kunst, Sport, Natur. Jeder von uns fand, was er am letzten Tag unserer Reise brauchte. Strandspaziergang und Surfer beobachten – im Mittelmeer schwimmen gehen – durch die Galerien streifen – einen frischen gepressten Granatapfelsaft am Kiosk – hippe Läden und leckere Restaurants in alten Warenlagern – Gewürze und Obst auf dem Markt – Straßenmusikern in den Gassen lauschen. Selbst in der Kürze der Zeit spürten wir den Kontrast zum altehrwürdigen Jerusalem und die säkulare Welt Israels.

Schnell waren bei dieser Vielfalt unsere vier Stunden um und wir kamen am Flughafen Ben Gurion an. Hier ist es voll und lebendig, weil viele Israelis in den Pessachferien zu Verwandten reisen. Trotzdem kamen wir schnell durch die vorgeschriebene Befragung und die anderen Kontrollen. So blieb Zeit für einen individuellen Abschied von diesem Land und unser intensiven Zeit hier.

Auf dem Flug nach Berlin sahen wir den Sonnenuntergang und wurden ein wenig kulinarisch verköstigt. Schon hier vermissten wir das Essen auf den Märkten und in den netten, kleinen traditionellen Bistros. Der Rest des Fluges war sehr ruhig, lag doch eine ereignisreiche und schlafarme Woche hinter uns.

Mit unserer Landung ging sie zu Ende – unsere Reise. Zumindest der erste Teil. Wir werden uns auch weiterhin treffen und gemeinsam mit dem LISUM erarbeiten, wie wir unsere Erfahrungen mit vielen Schulen im Land Brandenburg teilen können, als Multiplikatoren oder durch die Erstellung von Unterrichtseinheiten.

 Mit uns waren nun zwei Gruppen in Yad Vashem und wir haben gehört, die Kooperation zwischen dem Land Brandenburg und Yad Vashem geht weiter. Das freut uns sehr!

Wir bedanken uns bei Yad Vashem, dem LISUM und MBJS für die sehr gute Organisation vor und während der Reise. Insbesondere bei Bernd Jankofsky, der als Reisebegleiter mit großer Souveränität und viel Geduld durch diese Woche führte.

הֱיה שלום -  Auf Wiedersehen

                                                                                                                       

Juliane

13.04.2022, Tag 8

Der frühe Vogel fängt den Wurm und für uns bedeutet das heute, dass wir pünktlich zum Sonnenaufgang in Richtung Ölberg unterwegs sind. Ein mitdenkender Taxifahrer bringt uns zum Aussichtspunkt Mount Scopus, an dem wir staunend beobachten, wie der feuerrote Ball über dem Toten Meer aufgeht (siehe Bild). Dort treffen wir Jana, die uns drei Stunden vom Ölberg, vorbei am jüdischen Friedhof, über den Garten Gethsemane, zum Tempelberg mit Felsendom und Al-Aqsa Moschee, durch die Jerusalemer Altstadt zum uns mittlerweile wohl bekannten Jaffa-Tor führt. Zwischendurch noch auf die Schnelle einen Kaffee und ein Stück Gebäck, um gestärkt in die Seminare zu gehen.

Im ersten Seminar heute schauen wir uns das Material „Antisemitismus? Gibt’s hier nicht. Oder etwa doch?“ an. Yad Vashem nimmt sich auch dieser Aufgabe an – Gegenwartsbezug. Wir diskutieren Fallbeispiele: Wodurch zeigt sich Antisemitismus? Welche Auswirkungen hat er und was wird damit bezweckt? Ziel des Materials ist es, Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Antisemitismus zu finden.  

Danach führt uns Jonathan Mathews durch die „Flashes of Memory. Photography during the Holocaust“-Ausstellung (siehe Bild). Auch hier begegnen wir wieder der Periodisierung VOR – WÄHREND – NACH der Zeit des Holocaust. In jeder Periode wird in zwei Galerien hinterfragt, welche manipulativen Möglichkeiten der Blick durch die Kameralinse bietet. Fotos dokumentieren wachsenden Antisemitismus, Propaganda, die Zeiten der Ghettos, der Lager und letztendlich auch der Befreiung. Wer besaß eine Kamera? Wie frei konnte jemand fotografieren und in welcher Funktion? Aus welcher Perspektive wird Visuelles festgehalten?

Abschluss unserer Seminarreihe bildet Michel Kichka mit seiner Graphic Novel „Second Generation: The things I didn‘t tell my father“ (siehe Bild), in der er seine eigene Familiengeschichte auf amüsante und zugleich sehr traurige Weise aufarbeitet. “What does it mean for me to be a second generation Holocaust person?” – Was bedeutet es für mich, ein Mensch der zweiten Generation der Holocaustüberlebenden zu sein? Wer bin ich? Wie formt mich die Vergangenheit meiner Familie? Was passierte meinem Vater? Erst ein weiteres traumatisches Erlebnis lässt seinen Vater anfangen, seine eigene Geschichte nach gut 40 Jahren des Schweigens zu erzählen und führt zu Kichkas Graphic Novel. Diese Art und Weise der Aufarbeitung der Auswirkungen des Holocausts auf die verschiedenen Generationen der Familie, hat die Gruppe berührt.

Abschluss des Tages bildete die Zertifikatsausgabe und ein gemeinsames Dinner mit allen Beteiligten. Wir danken Yad Vashem, insbesondere Esther und Jana, für eine eindrucksvolle Woche mit lehrreichen Seminaren, Vorlesungen, Rundgängen, Museumsbesuchen und Gesprächen.

 תּוֹדָה רַבָּה – Dankeschön!

Antje, Konstanze, Marius

12.04.2022, Tag 7

Heute stand das Treffen der Zeitzeugin Zipora Feiblowitch aus Transsylvanien als zentraler Punkt auf dem Programm. Dem vorgeschaltet war eine Einführung von Esther Rachow über unseren eigenen 1. Zugang zum Holocaust. Die Antworten wurden nicht im Plenum besprochen. Sie zeigte uns ein Kunstprojekt mit der Uni Haifa, bei der ein Schuhabdruck immer blasser auf einem Stück Erde wird. Dies stand metaphorisch für die langsam verblassende Erinnerung an den Holocaust. Dem entgegen wirken authentische Erinnerungen von Überlebenden.

Dr. Birte Hewera gab uns einen Überblick über Zeugenschaft, ein komplexes Thema. Dass diese in einer Krise ist und dass es Ersatz gibt für persönliche Begegnungen, war u.a. Inhalt ihres anschaulichen und gut strukturierten Vortrages. Dabei kam heraus, dass der Zeitzeuge zur Instanz geworden ist, mit allen dazugehörigen Problemen. Auch ging es um unterschiedliche Arten von Zeugnissen.

Endlich war es so weit! Ich rechnete noch nicht mit Ziporas Erscheinen und war noch am Essen, als eine betagte Frau zur Tür hereinkommt und mir wie selbstverständlich guten Appetit wünscht. Zipora schilderte uns sehr nachvollziehbar von ihrer Kindheit in Siebenbürgen bis zur Geburt ihres ersten Nachwuchses – sie blieb während des einstündigen Vortrages ununterbrochen stehen. Solch andächtiges Schweigen und gebanntes Zuhören erlebt man selten. Beendet wurde ihr Monolog durch das herzliche Händeschütteln und sich persönlich Bedankens fürs Zuhören bei jedem einzelnem Seminarteilnehmer.

In der Mittagspause ging es ins Tal der Gemeinden. Hierbei handelt es sich um Steinwände, in die, geografisch geordnet, jüdische Gemeinden in der jeweiligen Landesssprache und in Hebräisch eingemeißelt stehen. Eine sehr eindrucksvolle Anlage, in der man sich ohne Führung leicht verlaufen kann. Hier führte uns Daniel Rozenga, der uns auch über die Symbolik des Ortes aufklärte: es gibt zum Beispiel Wände, die so uneben sind, dass man sich leicht eine Wohnung vorstellen kann. Am Ende der Wände sieht man den Hoffnung spendenden Himmel.

Am Nachmitttag ging es mit dem Referenten Daniel Rozenga weiter, der uns in der Präsentation „Den Holocaust im 21. Jahrhundert unterrichten“ sechs Unterrichtspakete nahebrachte. Ziel sei es, bei den Schülerinnen und Schülern die Distanz zum Thema zu überwinden, indem Geschichte(n) erforscht werden. Zunächst wird gefragt: „Wer sind wir?“ Es geht also um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Hintergrund. Die Schülerinnen und Schüler können hierbei Objekte aus der eigenen Familiengeschichte präsentieren. Darauf folgt die Annäherung an den Holocaust. Der Holocaust wird hier als vielschichtige, transnationale und multiperspektivische Geschichte betrachtet. Indem wir die umfangreichen Arbeitsmaterialien kennen lernten, wurde der pädagogische Ansatz deutlich: Lebensgeschichtliche Periodisierung vorzunehmen, biografische Momente einzubeziehen sowie Opfer/Täter/Zuschauer-Perspektiven zu berücksichtigen. Auch in dieser Präsentation wurde darauf hingewiesen, Augenmerk auf die Vermittlung kognitiver Empathie zu legen.

Am Abend stand für uns noch eine weitere höchstinteressante Präsentation auf dem Programm. Uriel Kashi gab uns nicht nur einen kenntnisreichen geschichtlichen Abriss der israelischen Außenpolitik, sondern konnte sehr detailreich auf aktuelle politische Entwicklungen im Nahen Osten eingehen. Israel musste seit 1948 ums Überleben kämpfen. Dabei spielten der Kalte Krieg, die Suche nach Koalitionen und natürlich der Palästinenser-Konflikt wichtige Rollen. Seit der islamischen Revolution im Jahr 1979 entwickelte sich der Iran für Israel zum zentralen Gefahrenherd. In einem Schattenkrieg stehen sich beide Länder gegenüber. Israel versucht bis in die Gegenwart vehement zu verhindern, dass der Iran Nuklearmacht wird. Für die Sicherheit Israels sind darüber hinaus die Beziehungen zur Türkei von wichtiger Bedeutung. Die traditionell guten Beziehungen sind seit einigen Jahren von Spannungen getrübt, wobei beiderseitige Öl- und Gasinteressen zu vermehrten Konflikten führen. Dagegen verbesserten sich in den letzten Jahren zusehends die Beziehungen zu den Golfstaaten.

Benno und Moritz

11.04.2022, Tag 6

Das Klavierspiel eines Unbekannten auf dem Bahnhofsvorplatz erfüllte die Morgenstunden, weckte uns zunächst und ließ uns dann noch ein wenig weiter träumen. Das sind die stillen Stunden des Tages, bis um 7 Uhr der Baulärm einsetzt und die wachsende Stadt erwacht.
Wir begannen mit dem 5. Seminartag in Jerusalem und dem Erinnern an die, die nicht mehr erinnern können und denen die Nazis die Möglichkeit genommen haben, selbst Erinnerungen zu prägen, steht im Mittel des Gedenkens in Yad Vashem. Doch wie gibt man jenen eine Stimme, die gezielt entmenschlicht und vor ihrer Zeit aus dem Leben gerissen wurden? Überliefert sind in erster Linie die Sichtweisen der Täter, die mit zunehmend bürokratischer Präzision fotografierten, Listen führten oder Briefe schrieben. Daher fokussierte der heutige Tag die unterschiedlichen Perspektiven und Entscheidungsspielräume der Handelnden. Jonathan Matthews führte uns am Morgen in einem anschaulichen Vortrag in die Entwicklung der sogenannten ,,Endlösung" ein. Er verdeutlichte die Eskalationsstufen, in denen die Nazis Methoden gegen das eigene Volk, wie die Erfahrungen aus dem Euthanasieprogramm, für die systematische Tötung in den Lagern zur Anwendung brachten und Phantasien der zwangsweisen Umsiedlung nach Madagaskar nicht nur sprichwörtlich die Weichen zur Vernichtung stellten. Am Beispiel des Massakers in Bialystok erprobten und diskutierten wir mit Esther Rachow und Daniel Rozenga verschiedene Unterrichtsmaterialien zur Geschichte des Geschehens sowie dessen Konsequenzen.
Der Nachmittag diente dem Entdecken dieser bunten und vielfältigen Stadt, deren Puls mit zunehmender Stunde steigt und deren Herz am lautesten schlägt, wenn der Baulärm von den Bässen der Musik abgelöst wird, die wie wir durch die Straßen stampfen.

Magdalena, Lisa

10.04.2022, Tag 5

Ein wesentlicher Bestandteil unserer Reise ist der Besuch des Holocaust-Museums in Yad Vashem. Der 2005 eröffnete Museumsbau im Mount Herzl wird über eine Brücke betreten.
Die Ausstellung verläuft in einer festgelegten chronologischen Reihenfolge. Sie beginnt mit einer Videocollage über das jüdische Leben vor dem Holocaust. Die folgende Station kontrastiert dazu Bilder und Hinterlassenschaften ermordeter Juden zu Ende des Krieges. Ausgehend vom Antisemitismus der Vorkriegszeit können dann die Besucher verschiedene Stationen zur Entstehung des Holocaust, seines Verlaufs und Endes durchlaufen.
Die Ausstellung hat zwei wesentliche Stärken. Eine davon unterscheidet sie deutlich von älteren Darstellungen des Holocaust: Die Perspektiven, das Handeln und Zeugnisse von Juden bilden einen wesentlichen Bestandteil der Ausstellung. Eine weitere Stärke sind die kompakt gehaltenen Bild- und Videodokumente sowie Texttafeln, die den Besuchern einen Überblick und Möglichkeiten zur Vertiefung bieten.
Die Ausstellung endet mit der Halle der Namen, in der Dokumente und Namen der Ermordeten aufbewahrt werden. Die Besucher verlassen das Museum auf eine Terrasse, von der aus sie auf das heutige Israel blicken.

Boris und Monika

09.04.2022, Tag 4

Impressionen eines erfüllten Tages am Shabat. 

Bus-Start -  Westroute entlang des Toten Meeres, Ziel Judäische Wüste. Manhattan- Jerusalem versus gebirgige Steinwüste mit grünem Pflaum, der in fünf Tagen vertrocknet sein wird; ab und an Steinbock-Herden, vereinzelte Beduinenhütten, Dattelpalmen- Oasen - kilometerlange Ödnis.
Straßenkontrollen für Westbank-Palästinenser markieren das hiesige Sicherheitsdilemma (…).
Grand-Canyon-Feeling am Ziel. Noams special Infos:
geologisch-tektonische Entstehungsbedingungen  demonstrieren gewachsene imposante Felsformationen.
Plateautour in gnädiger Mittagshitze bei nur 32 Grad.
2000 Jahre Palastrelikte, Luxuswohnen mit allem damaligen technischen Knowhow - erbaut für nur einen König (Herodes) - zwei Generationen später wird es zur  Überlebensbastion für 1000 Zeloten -Widerstandskämpfer im verzweilten wie aussichtslosen Kampf gegen das römische Imperium.
Entscheidung für den selbstbestimmten Tod gegen ein Sklavendasein; Lebens-Sinnfrage, die noch heute aufwühlt. Masada - antike Tragödie, inszeniert von Flavius Josephus, berührt Existenzielles . “Nie wieder Masada“, das Bekenntnis israelischer Soldaten bezeugt auch gegenwärtig jüdisches Selbstverständnis, ein freiwilliges  Selbstopfer nie mehr zuzulassen.
Totes Meer am Nachmittag, ein weiteres Symbol der Todesnähe. 
Sonne überflutet See und Küstenstreifen. Großflächige Palmenhaine, die bewässert werden müssen. Das Salz des 430 m unter dem Meeresspiegel liegenden Meeres schimmert an den Rändern des sichtbar schnell austrocknenden Gewässers silbrig kristallen. Farben wie aus dem Malkasten. 
Vorfreude auf das Baden in diesem Wasser, das keinerlei Leben zulässt. Füße tasten sich vorsichtig über den glitschig, unebenen Meeresboden vor. Bloß nicht fallen, bloß kein Wasser in Augen, Mund und Nase lassen. Dann fast kindliche Freude, im Wasser zu liegen, sich mit dem mineralreichen Schlamm “einzucremen“. Hautverjüngung? Klar, sagen die Hände, die anschließend über die unter der Dusche gesäuberten Arme, Beine … streichen.

Zurück nach Jerusalem, herzliche Verabschiedung von Noam Yatsiv, Begleiter eines wunderbaren Tages.

S. Franke und I. Sudaszewski

08.04.2022, Freitag- Shabbat- der Beginn des Wochenendes im jüdischen Leben.

Freitag- Shabbat- der Beginn des Wochenendes im jüdischen Leben.

Für uns hieß es Eintauchen in Bronzezeit, Eisenzeit, Römisches Reich, Byzantinische Herrschaft, Frühes Islamisches Zeitalter, Kreuzfahrer-Königreich Jerusalem, Dynastie der Ayyubiden, Mamlukensultanat, Osmanisches Reich, Britisches Mandatsgebiet Palästina, geteilte Stadt zwischen Israel und Jordanien.

Und heute?

Jerusalem - Die Heilige Stadt- erlebt immer noch einen umstrittenen Status. Dreitausend Jahre Attraktivität für viele, doch nie für alle gemeinsam, selten in friedlicher Sicherheit und immer wieder ein Magnet für sämtliche Gesinnungen und Glaubensrichtungen.
Zwischen Jaffa-Tor und Klagemauer bekamen wir ein facettenreiches und tiefgreifendes Informationspaket. Während des Gehens durch Ost-Jerusalem wurden uns lebendig und erkenntnisreich hiesige Kultur, Geschichte, Politik und Alltag nähergebracht. Unser Guide Noam Yatziv hatte die Gabe, uns stundenlang zu fesseln und immer wieder ein spannenderes Detail hervorzuzaubern.
Ost-Jerusalemer zu sein, kann bedeuten, jüdisch, muslimisch, christlich oder glaubensfrei zu leben. Unser Mosaik der Altstadt zwischen Davidturm, Via Dolorosa und Bazar setzte sich zusammen aus facettenreichen Farbgebungen, klangvollen Geräuschen und würzigen Gerüchen, die wir bei unseren Erkundungen durch Gassen und auf Plätzen erfahren durften.

Freitag- Shabbat- hieß für uns heute in dieser so heiligen Stadt, die umworben, umkämpft, erobert, zertrümmert und überbaut wurde- vor allem große Freundlichkeit, Offenheit und Vielfalt.

Ivette, Silke

07.04.2022, Tag 2

Es lief schneller als gedacht! Da die Testergebnisse bereits in der Nacht eintrudelten, stand dem planmäßigen Start nichts mehr im Wege. Esther Rachow und Jana Vilensky begrüßten uns sehr herzlich in Yad Vashem. Die Gedenkstätte besteht aus verschiedenen, architektonisch beeindruckenden Arealen. Jana Vilensky führte uns über die Allee der Gerechten unter den Völkern zur Halle der Erinnerung, in der eine ewige Flamme zum Gedenken an die Opfer der Shoa brennt. Tief berührt waren wir beim Betreten des Denkmals für die ermordeten jüdischen Kinder. Fünf brennende Kerzen werden so gespiegelt, dass ein Sternenhimmel entsteht. Die Namen der Kinder werden verlesen, ihr Alter und ihr Herkunftsland benannt. Mehrere abgebrochene Stählen, die sich oberhalb des Denkmals befinden, symbolisieren das Potenzial, das sich niemals entfalten konnte. Im Anschluss hielt Dr. Noa Mkayton eine inspirierende Vorlesung über die jüdische Erinnerungskultur, die zugleich als Bildungsfundament Yad Vashems fungiert. Den Fortbildungstag rundete ein interaktiver Workshop zum jüdischen Leben im Polen der Vorkriegszeit ab.
Dankbar und voller Unterrichtsideen im Gepäck, machten wir uns abends in die Altstadt auf, um dort den Tag ausklingen zu lassen bei leckerem Hummus, gefüllten Weinblättern und gebackenem Blumenkohl.
#YadVashem #pädagogischesKonzept #Erinnerungskultur #choicelesschoices #keineKollektivsubjekte #YehudaMarket #Hamotzi

Anja, Jelena und Susan

06.04.2022, Anreise

Schön, dass ihr unseren Blog über Israel ab heute verfolgt. Wir teilen hier täglich mit euch all unsere spannenden und bewegenden Momente. Wir wechseln uns beim Schreiben des Blogs ab, deshalb werdet ihr auch unterschiedlichen Schreibstilen begegnen.

Es ist wohl eine der Reisen mit der längsten Vorbereitung, sie dauerte seit Ende 2019. Durch die Pandemie kam es leider nicht zur zweiten Runde der Besuchsreisen brandenburgischer Lehrkräfte nach Yad Vashem. Wir, 20 Lehrerinnen und Lehrer aus allen Teilen Brandenburgs, waren bestens vorbereitet. Wir standen in den Startlöchern und erhielten dann den vorläufigen „Reise-Stop“. Nach einem ungewissen Neustart gab es heute nun die glückliche Landung in Tel Aviv. Die Freude, nach den Strapazen des Tages angekommen zu sein, zauberte uns auf der Fahrt nach Jerusalem allen ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht. Jetzt hängen wir auf unseren Zimmern fest und warten auf die PCR-Ergebnisse. Drückt uns die Daumen, dass es morgen losgehen kann. Bis dahin lauschen wir von unseren Zimmern aus den ungewohnten Klängen von Musik und Stimmen auf Jerusalems Straßen und Plätzen.

B. Jankofsky

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM