Zitat Oktober 2017

Zitat Oktober 2017

"Das Schicksal des Menschen ist der Mensch." (Bertolt Brecht "Die Mutter")

Verstörend und verwirrend – so habe ich als Abiturientin dieses Zitat aus Brechts "Die Mutter" empfunden. Mein Deutschlehrer hatte es damals an die Tafel geschrieben und als visueller Mensch hat sich mir das eingeprägt und immer wieder in mein Bewusstsein gedrängt, nicht nur, wenn ich als Deutschlehrerin Brecht behandelt habe.

Mein Verständnis dieses Zitats hat sich mit der Zeit gewandelt. Anfangs die Erkenntnis, dass keine höhere Macht, sondern nur wir als Menschen allein prägend sind, was uns passiert und was aus uns wird. Später immer mehr die Einsicht, dass auch ich – wie jeder andere - meinen Anteil einzubringen habe, unter anderem als Lehrerin für junge Menschen, die noch auf der Suche nach ihrem Weg sind.

Schlaue Sprüche finden sich wie Sand am Meer. Facebook, Glückwunschkarten, Werbeslogans – wir werden geradezu bombardiert mit Lebensweisheiten, Aphorismen und zweifelhaften Botschaften. Im besten Falle lassen sie uns einen Moment gedanklich innehalten, den Bedeutungs- oder Wahrheitsgehalt überprüfen.  Manchmal machen sie uns schmunzeln. 

Wir leben in einer Zeit, in der zürnende, donnernde, wetternde Wortmagier die Sprache missbrauchen und mit Sprüchen nur so um sich werfen. Da gemahnt es, deren Weisheit zu überdenken. Nicht Worte, sondern Taten zählen, das hat schon meine Oma gesagt und deren Sprüche waren zumindest bodenständig. Wem dient es? Wem nützt es? 

Die Aussage bleibt: Es ist der Mensch, der das Schicksal des Menschen bestimmt.

Ines Weghenkel ist seit April 2017 Herausgeberin des NEWSLETTERS für Lehrkräfte (Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im MBJS) und seit August 2017 Landesberatungslehrerin in der Gremiengeschäftsstelle.

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM