Formative Leistungsbeurteilung im Deutschunterricht
Der Rahmenlehrplan 1-10 des Landes Brandenburg ist die Basis für einen kompetenzorientierten Unterricht in den Fächern. Kennzeichen kompetenzorientierten Unterrichts ist eine kompetenzorientierte Lernbegleitung. Für eine gelingende kompetenzorientierte Lernbegleitung, die formative Leistungsbeurteilung einschließt, sind vier Bausteine zu berücksichtigen:
- Transparente Kriterien: Klare Anforderungen geben Orientierung, was erwartet wird.
- Lernstandsfeststellungen: Sie zeigen, wo Lernende stehen – als Grundlage für Förderung, nicht zur Bewertung.
- Dokumentationen: Lernentwicklung wird sichtbar gemacht und nachvollziehbar festgehalten.
- Reflexions- und Rückmeldekultur: Lernentwicklung wird mit den Lernenden dialogisch reflektiert und der nächste Lernschritt nachvollziehbar geplant.
Für alle Bereiche finden Sie auf dieser Seite Beispiele für das Fach Deutsch:
alle Kompetenzbereiche | Sprechen und Zuhören | Schreiben | Lesen | Sich mit Texten und anderen Medien auseinandersetzen
Transparente Kriterien
Transparente Kriterien sind in Sprache gefasste Anforderungen. Sie …
- machen Anforderungen sichtbar und nachvollziehbar.
- geben Lernenden Orientierung: zeigen, was wichtig ist, worauf es ankommt.
- ermöglichen Selbsteinschätzung.
- helfen Eltern, den Lernstand ihrer Kinder zu verstehen.
- sind die Basis dafür, dass sich Lehrkräfte, Eltern und Kinder über Anforderungen verständigen können.
- machen Einschätzungen und Bewertungen der Lehrkräfte nachvollziehbar und vergleichbar.
Lernstandsfeststellungen
Lernstandsfeststellungen informieren über den Lernentwicklungsstand auf Basis transparenter Kriterien. Sie …
- zeigen, welche Anforderungen bewältigt werden.
- dienen der Diagnose und Förderung (und nicht der Bewertung).
- geben Auskunft: Was kann ich? (Schülerin bzw. Schüler) Was kann mein Kind? (Eltern) Was kann die Schülerin bzw. der Schüler? Wie plane ich weiter? (Lehrkraft)
- sind nicht nur an die Lehrkraft gebunden – auch Schülerinnen und Schüler können Lernstände einschätzen, wenn sie die richtigen Instrumente erhalten.
- können individuell oder für die gesamte Lerngruppe erfolgen.
- werden regelmäßig im Lernprozess eingesetzt (z. B. kurze Überprüfungen zur Selbstvergewisserung bzw. zur optimalen Steuerung des Lernprozesses).
ILeA plus | Orientierungsarbeiten | (folgt)
Beispiele für die Schuleingangsphase/Schriftspracherwerb
Lerndokumentation
Dokumentationen orientieren sich an kompetenzorientierten Anforderungen bzw. Kriterien. Sie …
- halten die individuelle Lernentwicklung eines Kindes über einen längeren Zeitraum fest und visualisieren individuelle Fortschritte als Lernspuren.
- enthalten nicht nur die Einschätzung der Lehrkraft, sondern beziehen auch die Einschätzung der Schülerin bzw. des Schülers mit ein.
- machen Lernentwicklung für alle Beteiligten sichtbar.
- bilden die Grundlage für Lernentwicklungsgespräche mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und auch unter Kolleginnen und Kollegen.
Beispiele für die Schuleingangsphase/Schriftspracherwerb
Reflexions- und Rückmeldekultur
Reflexionen orientieren sich an Lernstandsfeststellungen und Dokumentationen. Sie …
- verbinden den diagnostischen Blick (Was wurde erreicht? Wo stehen wir?) mit dem prognostischen Blick (Welche nächsten Schritte sind sinnvoll – für einzelne Kinder und für die Lerngruppe?).
- gewähren Schülerinnen und Schülern dialogische Rückmeldung während des Lernprozesses: feed back und feed forward.
- führen zur Entscheidung über weitere lernförderliche Schritte.
- können dazu genutzt werden, eigene Gedanken, Einschätzungen, Bewertungen im Austausch mit anderen zu überprüfen.
- sind ein eigener Lerninhalt: Schülerinnen und Schüler benötigen Lerngelegenheiten, um eigene Leistungen und die anderer einzuschätzen.
- sind zentrale Werkzeuge, um selbstreguliertes Lernen zu fördern, da sie Lernende befähigen, ihren eigenen Lernprozess aktiv zu steuern, zu überwachen und anzupassen.
- unterstützen Lehrkräfte bei der Weiterentwicklung ihres Unterrichts (z. B. Kollegiale Hospitation, Feedbackbögen von Lernenden zum Unterricht).
Beispiele für die Schuleingangsphase/Schriftspracherwerb
Beispiele für eine kompetenzorientierte Lernbegleitung im Fach Deutsch
Zahlreiche LISUM-/LIBRA-Materialien für den Deutschunterricht berücksichtigen einen einzelnen Baustein oder mehrere Bausteine der kompetenzorientierten Lernbegleitung bzw. formativen Leistungsbeurteilung.
alle Kompetenzbereiche | Sprechen und Zuhören | Schreiben | Lesen | Sich mit Texten und anderen Medien auseinandersetzen | Sprachwissen und Sprachbewussheit entwickeln (folgt)
Beispiele, die alle Kompetenzbereiche des Deutschunterrichts umfassen
- umfassen eine Sammlung von Referenzaufgaben zu allen Kompetenzbereichen und Standards des Fachteils Deutsch auf den Niveaustufen A bis D.
- enthalten für jeden Kompetenzbereich und jede Niveaustufe Kartensätze mit Aufgaben sowie passende Partnerkarten für die gemeinsame Bearbeitung und Rückmeldung.
- ermöglichen Schülerinnen und Schülern in Partnerarbeit, ihren individuellen Lernstand bezogen auf die im Rahmenlehrplan 1–10 beschriebenen Standards wahrzunehmen und dienen Lehrkräften als Grundlage für Lernstandsfeststellungen.
- machen durch transparente Kriterien Anforderungen sichtbar und geben den Schülerinnen und Schülern unmittelbare Rückmeldung zu ihrem Lernstand.
- bieten Möglichkeiten zur Dokumentation der eigenen Lernentwicklung, indem zu jedem Kompetenzbereich eine Portfolio-Seite für die persönlichen Unterlagen zur Verfügung steht.
- konkretisiert die im Rahmenlehrplan 1–10, Fachteil Deutsch beschriebenen Standards der Niveaustufen A und B in vier Ausprägungsgraden und beschreibt, wie sich diese in den Jahrgangsstufen 1 und 2 in beobachtbaren Handlungen zeigen können.
- unterstützt Lehrkräfte dabei, den erreichten Lernstand der Schülerinnen und Schüler kriteriengeleitet einzuschätzen und diese Einschätzungen als Grundlage für das kompetenzorientierte Zeugnis zu nutzen.
- schafft eine gemeinsame fachlich fundierte Orientierung und Transparenz für die Einschätzung von Lernständen –im Austausch zwischen Lehrkräften, mit Schülerinnen und Schülern, in der Kommunikation mit Eltern sowie zwischen Schulen.
- trägt zu einer nachvollziehbaren und vergleichbaren Beurteilung der Kompetenzentwicklung bei.
- kann über die Zeugnisarbeit hinaus als Arbeitsinstrument für den gesamten Lernprozess genutzt werden. Es unterstützt die kontinuierliche Beobachtung der Kompetenzentwicklung, erleichtert die Dokumentation von Lernfortschritten und hilft dabei, individuelle Unterstützungsbedarfe frühzeitig zu erkennen. Auf dieser Grundlage können Lern- und Förderangebote gezielt geplant und weiterentwickelt werden.
Beispiele fuer den Kompetenzbereich Sprechen und Zuhören
In einem Meinungsaustausch ist es wichtig, dass man die eigene Meinung verständlich formuliert und begründet. Ebenso wichtig ist es, den Gesprächspartnern genau zuzuhören, um deren Meinungen zu verstehen.
In Trainingsrunden mit dem Meinungsheft werden das Begründen der eigenen Meinung und das Zuhören geübt. Zudem werden den Schülerinnen und Schülern ihre Fähigkeiten in diesen beiden Bereichen bewusst gemacht. Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass für eine begründete Meinung Argumente nötig sind. Sie bereiten sich auf jede Trainingsrunde vor, indem sie ihre Meinung und ihre Argumente notieren. In der Trainingsrunde geben sie die Meinung und die Argumente ihrer Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner in eigenen Worten wieder. Sie „spiegeln“ das Gehörte und erfahren sofort, ob sie alles richtig verstanden haben. Zusätzlich hat das Spiegeln noch eine wertschätzende Wirkung.
Praxismaterial: Meinungsheft – Verständliches Argumentieren, bewusstes Zuhören und das Eingehen auf die Beiträge anderer
Praxismaterial: Meinungsheft Kopiervorlagen
Beispiele fuer den Kompetenzbereich Schreiben
- fördern in überschaubaren Trainingseinheiten auf den Niveaustufen B, C und D die Schreibflüssigkeit: automatisierte Handschrift, Rechtschreibung, flüssiges Formulieren.
- regen anhand transparenter Kriterien (z. B. Lesbarkeit, Formklarheit, Einhalten der Schreibrichtung) zur Selbstreflexion und zum Austausch mit anderen über die individuelle Schreibflüssigkeit an (z. B. Lesbarkeit, Formklarheit, Einhalten der Schreibrichtung, Einhalten der Schreiblineatur), die auch im Trainingspass dokumentiert wird.
© Unterrichtsbeispiele Claudia Wenzel
- zeigt mit Bezug zu den Niveaustufen A/B, wie eigene Texte bereits in der Schuleingangsphase als zentraler Zugang zum Rechtschreiblernen genutzt werden können.
- stellt dar, wie Lernende in der Auseinandersetzung mit ihren Texten Strategien und Regeln erwerben, die zu normgerechten Schreibungen führen.
- veranschaulicht konkret, wie diese Strategien und Regeln schrittweise eingeführt, in lernförderlichen Korrekturen als kompetenzorientierte Rückmeldung eingesetzt und dem Lernstand des einzelnen Kindes angepasst werden.
- erfassen transparent den Lernstand der Schülerinnen und Schüler im Kompetenzbereich Schreiben – Richtig schreiben mit Bezug auf die in den Standards beschriebenen Kompetenzen auf den Niveaustufen B und C.
- geben der Schülerin bzw. dem Schüler eine kompetenzorientierte Rückmeldung, indem die Ausprägungsgrade der einzelnen Kompetenzen differenziert ausgewiesen werden.
- bieten die Basis, am individuellen Lernstand des Kindes orientiert, zielgerichtet nächste Lernschritte – auch im Dialog mit dem Kind – zu planen.
Beispiele fuer den Kompetenzbereich Lesen
Download der Materialien:
Startpakete
Niveaustufe B
Niveaustufe C
Niveaustufe D
- fördern in überschaubaren Trainingseinheiten auf den Niveaustufen B, C und D die Entwicklung von Leseflüssigkeit.
- machen durch die im Lesepass festgelegten Kriterien Erwartungen an eine gelingende Leseleistung transparent und ermöglichen den Schülerinnen und Schülern, ihre eigene Leseflüssigkeit kriterienorientiert einzuschätzen.
- ermöglichen die Einschätzung durch die Tandempartnerin bzw. den Tandempartner und unterstützen die Dokumentation der Einschätzungen über mehrere Übungseinheiten hinweg.
- machen dadurch individuelle Lernentwicklungen sichtbar und bieten eine Grundlage für Reflexion und Rückmeldung.
- begleiten Schülerinnen und Schüler auf den Niveaustufen B bis H mit einer an ihrer Leseentwicklung orientierten Schrittfolge durch Texte.
- regen dazu an, den Einsatz von Lesestrategien bewusst zu reflektieren und über das eigene Vorgehen beim Lesen nachzudenken.
- fördern damit die Entwicklung metakognitiver Fähigkeiten und stärken die Schülerinnen und Schüler darin, ihr eigenes Lernen zunehmend selbstständig zu steuern und zu überwachen.
Link zu den Lesestrategiesets: LESEPILOT | LeseLotse | LeseNavigator 2.0
- begleitet Schülerinnen und Schüler bei der Vorbereitung ihres Vorlesens mithilfe von Vorlesehilfen und unterstützt sie dabei, Texte sicher und ausdrucksvoll vorzutragen.
- macht durch klar formulierte Kriterien Erwartungen an ein gelungenes Vorlesen transparent und schafft eine Grundlage für das Üben, die Selbsteinschätzung sowie den Austausch mit einer Partnerin oder einem Partner.
Beispiele fuer den Kompetenzbereich Sich mit Texten und anderen Medien auseinandersetzen
- zeigt am Beispiel einer Buchvorstellung, wie kriterienorientierte Einschätzungen auf den Niveaustufen A/B, C und D für die Selbst-, Partner- und Lehrkräfte-Einschätzung im Unterricht eingesetzt werden können.
- macht durch die Bereitstellung der Kriterien bereits zu Beginn einer Lernsequenz Erwartungen sichtbar und nachvollziehbar.
- gibt den Lernenden im Lernprozess Orientierung und verdeutlicht, worauf es bei der Aufgabe ankommt.
- ermöglicht eine kriterienorientierte Selbst- und Partnereinschätzung sowie Einschätzung bzw. Beurteilung der Lehrkraft.
- unterstützt Eltern dabei, den Lernstand ihrer Kinder besser nachzuvollziehen.
- schafft eine gemeinsame Grundlage, damit sich Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern über Anforderungen und Lernfortschritte verständigen können.
- regt Schülerinnen und Schüler (auf den Niveaustufen A/B, C und D) dazu an, ihre Buchlektüre zu reflektieren, indem sie einen zum Buch passenden Karton mit wichtigen Figuren und Gegenständen gestalten und ihr Buch anderen anschaulich präsentieren.
- ermöglicht Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften mithilfe der vorliegenden Downloadmaterialien eine kriterienorientierte und aufeinander abgestimmte (Selbst-)Einschätzung der Gestaltung und Präsentation der Lesekiste. Die transparenten Kriterien unterstützen bereits die Erarbeitung der Lesekiste und die Vorbereitung der Präsentation und bilden zugleich die Grundlage für Reflexion und Rückmeldung.
- stellt eine Form des Lese-Portfolios dar, in dem die Ergebnisse einer längeren Phase selbstständiger Arbeit mit einem selbst gewählten Buch dokumentiert werden.
- macht durch die klare Darstellung von Pflicht- und Wahlaufgaben in den Downloadmaterialien die Anforderungen von Beginn an transparent und unterstützt die Schülerinnen und Schüler bei der Planung ihrer Arbeit.
- ermöglicht Schülerinnen und Schülern eine kriterienorientierte Selbsteinschätzung der Gestaltung und Präsentation ihrer Leserolle. Die transparenten Kriterien begleiten den gesamten Arbeitsprozess, unterstützen die Vorbereitung der Präsentation und bilden die Grundlage für Reflexion und Rückmeldung – sowohl durch Mitschülerinnen und Mitschüler als auch durch die Lehrkraft.
- begleitet die intensive Auseinandersetzung mit einer selbst gewählten Ballade über einen längeren Zeitraum und unterstützt den Arbeitsprozess durch vielfältige Aufgaben und Anregungen.
- eignet sich für Schülerinnen und Schüler der Niveaustufe D, die im Rahmen des Unterrichts bereits verschiedene Balladen kennengelernt und untersucht sowie grundlegende Kenntnisse über diese besondere Form des erzählenden Gedichts erworben haben.
- ermöglicht am Ende des Arbeitsprozesses eine Selbsteinschätzung der eigenen Arbeitsergebnisse sowie durch einen vorliegenden kriterienorientierten BewertungsbogenRückmeldung bzw. Beurteilung durch die Lehrkraft.
- begleitet Schülerinnen und Schüler – beginnend in der Schuleingangsphase – über einen längeren Zeitraum, idealerweise über mehrere Schuljahre, bei der Dokumentation ihrer Leseerfahrungen.
- wird bereits zu Beginn der Schuleingangsphase eingeführt. Zunächst halten die Kinder vor allem vorgelesene Bücher fest, später zunehmend auch Bücher, die sie selbstständig gelesen haben. So kann das Bücher-Tagebuch von der ersten Schulwoche an zu einem festen Bestandteil des Deutschunterrichts werden.
- dokumentiert den individuellen Leseweg sowie die Entwicklung der Lesefähigkeiten und Lesevorlieben und macht den persönlichen Lernfortschritt über einen längeren Zeitraum sichtbar.
- unterstützt die Schülerinnen und Schüler dabei, ihre Leseentwicklung bewusst wahrzunehmen und auf ihre bisherigen Leseerfahrungen zurückzublicken.
- stellt für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte eine Form der individualisierten Lerndokumentation dar und bietet eine Grundlage für Reflexion und Gespräche über die individuelle Leseentwicklung.
Redaktionell verantwortlich: Jan Steckmeister
Der Bildungsserver Berlin-Brandenburg ist ein Service des Landesinstituts Brandenburg für Schule und Lehrkräftebildung im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (Berlin) und des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport Land Brandenburg.




















