Zitat Dezember 2016

Zitat Dezember 2016

"Was man besonders gerne tut, ist selten ganz besonders gut." (Wilhelm Busch)

In unserem täglichen Tun und Handeln gibt es Dinge, die man besonders gern macht, weil sie aus der eigenen Sicht angenehm und scheinbar gut für uns selbst sind. Dann gibt es Aufgaben, die man macht, weil es sein muss. Nach einem langen Arbeitstag fühle ich mich nicht immer gut und bin mit dem Erreichten nicht immer zufrieden, denn ein bloßes Abarbeiten von Aufgaben erfüllt mich nicht. Als zuständiger Schulrat für Migration im Bereich des Schulamtes Brandenburg an der Havel bin ich zuständig für die Absicherung der Beschulung von nicht deutschsprachigen Kindern und Jugendlichen. Dies ist für mich nicht nur ein Arbeitsauftrag, sondern eine Aufgabe, die ich gern und mit innerer Überzeugung übernommen habe.

In meiner Tätigkeit als Schulleiter konnte ich mit meinen Schülern innerhalb des Projektes "Fußball-Lernen-Global" viele Gelegenheiten erleben, die diese innere Überzeugung aufgebaut haben. Mehrmals war ich mit Schülergruppen ohne ausreichende Sprachkenntnisse in Südamerika unterwegs und habe mit den Schülern gemeinsam die Erfahrung gemacht, wie man sich in einem fremden Land und in einer anderen Kultur fühlt. Dies ist nicht zu vergleichen, wie es gerade jetzt den vielen Flüchtlingen geht, die nach Deutschland kommen, denn wir hatten schon im Vorfeld viele Kontakte mit unseren Projektpartnern gehabt und wussten so ungefähr, was auf uns zukommt. Auch die Rückbegegnungen an unseren Oberschulen waren immer Höhepunkte im Schulleben. Oft kam es dann dazu, dass sich viele die Frage stellten, wie man die Jugendlichen unterstützen könne. Schnell kam dann die Idee: Wir spenden Geld. Das tut man ja gern, wenn man weiß wofür. Genau das war es aber nicht, was die Jugendlichen brauchten, um sich bei uns wohl zu fühlen. Einen viel größeren Wert hatten die gemeinsamen Unternehmungen, die Arbeit an gemeinsamen Themen und der globale Blick "über unseren Tellerrand" hinaus, der uns zusammengebracht und eine tiefe Freundschaft und Zusammengehörigkeit aufgebaut hat.

Ich versuche in meiner täglichen Arbeit immer einen Blick darauf zu haben, dass nicht das Organisieren verschiedener Dinge das Wichtigste ist, sondern das Miteinander und der Respekt gegenüber anderen Kulturen und Gewohnheiten. Das kann manchmal auch unbequem sein und man kann damit anecken. Aber genau das hat zur Folge, dass man sich auch persönlich weiterentwickelt und am Ende auch zufriedener mit dem Erreichten wird.

 

Christof Kürschner ist seit 2016 Schulrat im Staatlichen Schulamt Brandenburg.

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM