Zitat Februar 2016

Zitat Februar 2016

"In jeder Minute, die du in Ärger verbringst, versäumst du 60 glückliche Sekunden deines Lebens!(Albert Schweitzer)

Mehrere Anrufe einer unbekannten Nummer, dann doch mein Rückruf aus dem Büro....

Nun sitze ich hier und soll (an einem Sonntag) meine Gedanken zu einem Zitat aufschreiben! So will es die Aufgabe, der Auftrag, die Bitte. Ob ich es recht schnell fertig haben könnte... 

Die anderen Angesprochenen schaffen es erst später. Als ob es später mehr Zeit geben würde.

Das Zitat von Albert Schweitzer begleitet mich schon sehr lange. Ich schreibe es immer in die Erinnerungsbücher meiner Schülerinnen und Schüler. Ja, der Inhalt des Zitates ist so richtig! Aber es ist auch schwer, sich möglichst immer daran zu halten. Wie schnell und oft ärgern wir uns über Alltägliches und Grundsätzliches. 

Natürlich fallen mir gleich 2 weitere schöne und interessante Zitate ein, die mir wichtig sind:

"Alle großen Leute waren einmal Kinder, aber nur wenige erinnern sich daran." (Antoine de Saint-Exupéry)

"Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld meine Wege zu begreifen ..." (Maria Montessori)

Spätestens hier muss ich schreiben, dass ich als Lehrer an einer Grundschule arbeite. Meine 6. Klasse unterrichte ich seit Beginn der 4. Klasse. Diese Zitate umschreiben meine Arbeit, die sehr interessant ist und mir viel Freude bereitet. 

Wenn die Kinder nach der 6. Klasse die Schule wechseln, sollen sie bis dahin richtig gern in die Schule gekommen sein, sie sollen natürlich vieles gelernt haben und mutig auftreten können. Das ist eine abwechslungsreiche und spannende Herausforderung, die an jedem Schultag neu beginnt. Oft gelingt dies, besonders wenn ich auf die Kinder und ihre Persönlichkeiten achte, auf sie eingehe. Manchmal stellt sich so ein ganzer Unterrichtstag von alleine zusammen. Es sind spannende Fragen, die die Kinder oft mitbringen. Die Kunst ist es dann, die geforderten Unterrichtsinhalte passend einzubinden. 

Es ist zum Beispiel toll zu beobachten, wenn die Mädchen und Jungen in ihren Vorträgen, die wir gemeinsam erarbeiten und die mitunter sogar 45 Minuten dauern, stolz ihr Wissen darstellen. Oder es wird in der Klassenrunde zwischen den Kindern so lange diskutiert, bis eine sinnvolle Lösungsidee gefunden wurde. Manchmal vergisst dabei das leitende Kind der Runde, mir das Wort zu geben, dabei ist es schon so schwer für uns Erwachsene (und besonders für uns Lehrer) nicht immer sofort mitzureden.

Die Arbeit der vielen Pädagoginnen und Pädagogen an den Grundschulen ist sehr wichtig für die Kinder und deren weitere Schullaufbahn. Deshalb sollten ungerechtfertigte Unterschiede zwischen den Schultypen unbedingt behoben werden. Die höhere Stundenanzahl, die geringere Bezahlung und die fast fehlende Ausstattung mit Funktionsstunden sind drei wesentliche Kennzeichen für mich, dass hier seit längerer Zeit etwas falsch läuft. 

Und damit bin ich beim eigentlichen Grund, warum ich angerufen wurde: Da ich zunehmend feststellte, dass das System Schule immer mehr Unzufriedenheit (nicht nur bei mir) erzeugte, wollte ich mich nicht länger ärgern, sondern versuchen, etwas zu ändern. 

Ja und so bin ich in den Landesschulbeirat Berlin gekommen, den ich seit zwei Jahren als Vorsitzender leite. Dieses Ehrenamt kostet natürlich sehr viel Zeit und Energie, trotzdem ist es wichtig, sich einzumischen und zu engagieren. 

Die Erfahrungen der letzten Jahre, die oftmals sehr konstruktive und sachliche Arbeit mit den anderen Mitgliedern im Gremium und mit vielen Verantwortlichen der Senatsverwaltung möchte ich nicht mehr missen. Manche kleinen Erfolge haben wir im Landesschulbeirat mit erarbeitet. 

Vieles sollte und muss natürlich deutlich schneller und besser gelingen. Und die Herausforderungen sind in letzter Zeit nicht geringer geworden, aber wie es schon Willy Brandt sagte: "Kleine Schritte sind besser als keine Schritte." 

Und die Arbeit ist ja auch noch nicht zu Ende...

Ich wünsche Ihnen allen ein erfolgreiches neues Schulhalbjahr, dazu Zufriedenheit und auch Freude bei der Arbeit.


Frank Körner ist Vorsitzender des Landesschulbeirates Berlin.

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM