Zitat Januar 2015

Zitat Januar 2015

Zitat Januar 2015

 

"Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind."

Albert Einstein

 

Einstein war neugierig. Neugierig im positiven Sinne. Er stellte Fragen zur Natur des Lichtes und der Zeit. Stundenlang grübelte er über mögliche Lösungen zu den physikalischen Problemen der damaligen Zeit. Charakteristisch war für seine Arbeitsweise, dass er Probleme so strukturierte, dass er sie von allen Seiten und von ganz unterschiedlichen Disziplinen her untersuchen konnte.

Ich erlebte Berührungspunkte mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen erstmals als Schüler im Chemieunterricht der Carl-Friedrich-von-Siemens-Oberschule. Experimente zu chemischen Reaktionen der Metalle und zur Flammenfärbung haben mich fasziniert. 

 

Viele der naturwissenschaftlichen Phänomene werfen Fragen auf, die zunächst unlösbar erscheinen, aber über verschiedene Teilschritte doch einer Lösung zugeführt werden können. Das problemorientierte Lernen geht davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler zu einer Problemstellung eine zu erlernende Struktur, eine Einsicht, ein Verfahren in seinen groben Zügen schon sehen und verstehen, aber die notwendigen Handlungen zum Erreichen des Ziels noch offen sind. Problemlösen heißt, die Idee, das Verfahren Schritt für Schritt zu entwickeln. Genau auf diese Weise konnte Einstein die vielen Fragen zu den Eigenschaften des Lichtes und der Relativität lösen, die letztlich zur Erklärung des Fotoeffektes und zur Aufstellung der Relativitätstheorie führten.

 

Auch ich wollte die Hintergründe naturwissenschaftlicher Phänomene verstehen, wodurch mein beruflicher Weg zum Chemiestudium schon frühzeitig bereitet wurde. Meine gewonnenen Erfahrungen, in denen auch meine Tätigkeit als Hockey-Trainer eine wesentliche Rolle spielte, führten zum Wunsch, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Somit begann ich als 26-jähriger Referendar meine Lehrerausbildung in den Fächern Chemie und Physik am Humboldt-Gymnasium in Berlin-Tegel. Für meine Lehrtätigkeit erwies sich diese Schule als ein Glücksfall, denn ich kam an eine Schule mit engagierten Lehrkräften in einem liberalen Umfeld, welches im Bereich der Naturwissenschaften große Handlungsspielräume ermöglichte. So konnte ich eine Jugend-forscht-AG gründen, geochemische Forschungsreisen mit den Leistungskursen in die Alpen, Vulkanexpeditionen auf Humboldts Spuren, unter anderem zum Pico del Teide auf Teneriffa, durchführen sowie einen internationalen Einstein-Forscherkongress für Schülerinnen und Schüler veranstalten.

 

Gerade heute sind neue Denkweisen in der Schule gefragt: Formeln auswendig lernen, Fachbegriffe pauken, endlose Lehrervorträge stillschweigend verfolgen und Tafelbilder kommentarlos abschreiben sind nicht mehr Stand der aktuellen Fachdidaktik. Angesagt ist lebensweltlich orientiertes und anwendungsbezogenes Lernen unter aktiver Beteiligung der Schülerinnen und Schüler. Nur so können die Jugendlichen in der Schule für die großen Zukunftsprobleme interessiert werden, nur so können sie später zu deren Lösung beitragen.

 

Diese Leitlinien des am Alltag und an der Wissenschaft orientierten und dabei fachübergreifenden Lernens haben meinen Chemie- und Physikunterricht am Humboldt-Gymnasium in Berlin-Tegel geprägt. Von der Raketenphysik und -chemie, der Untersuchung von Energydrinks, der Analyse unterschiedlicher Lampentypen bis hin zur geochemischen Analyse von Lavatunneln wurde interessante, handgreifliche und zudem anspruchsvolle Naturwissenschaft betrieben. 

 

Mit diesem Anspruch habe ich meinen beruflichen Weg seit 2009 als Referent für Naturwissenschaften in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie fortgesetzt. Ich hatte die Möglichkeit, an der Formulierung der Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss mitzuwirken, die die genannten Leitlinien berücksichtigen. Die Sinus- und Kontextprogramme der MINT-Fächer wurden in Berlin auf meine Initiative und durch mein Engagement nach dem bundesweiten Programmende noch vier weitere Jahre bis 2013 fortgeführt und 2014 in eine iMINT-Akademie (das i steht für inklusiv), ein bundesweit einzigartiges MINT-Kompetenzzentrum für die Lehrerbildung, überführt.

 

Die genannten Leitlinien finden sich für die naturwissenschaftlichen Fächer auch im neuen Rahmenlehrplan wieder. So wird es für die naturwissenschaftlichen Fächer in der Sekundarstufe I erstmalig verpflichtende kontext- und problemorientierte Experimente geben. 

 

Ich habe es in meinen Jahren als Lehrer im Unterricht, bei Jugend forscht aber auch in Staatsexamensprüfungen erlebt: Beobachtet man die Lernenden beim selbstständigen Forschen und Entdecken, wird offensichtlich, welche Faszination naturwissenschaftliche Experimente ausüben können. Die Lust am Erforschen und Experimentieren zu fördern, die Kreativität der Schülerinnen und Schüler zu fordern und gleichzeitig ein profundes Wissensgebäude zu errichten, muss Ziel unserer Bestrebungen für guten Unterricht in den MINT-Fächern sein. Schon Einstein stellte fest: Kreativität und Phantasie sind wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

 

 

Joachim Kranz ist Fachreferent für Naturwissenschaften und Wirtschaft-Arbeit-Technik in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und Ansprechpartner für die iMINT-Akademie.

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM