Zitat April 2015

Zitat April 2015

Zitat April 2015

 

"Der Mensch kann den Menschen zum Guten führen."

Maxim Gorki (1868-1936)

 

Dieses Zitat stammt von dem russischen Dichter Maxim Gorki. Sicher ist für viele dieser Name kaum noch bekannt und seine Werke sind heute nur noch wenigen vertraut. Maxim Gorki war aber Zeit seines Lebens ein Revolutionär und Querdenker. Er war ein großer Schriftsteller und immer auch einer, der trotz seines schwierigen Lebensweges an das Gute im Menschen glaubte. Mitte der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts lebte er für kurze Zeit in Bad Saarow und dies war Anlass, unsere Schule nach ihm zu benennen.

 

Die Saarower Schule ist eine besondere Schule. Gelegen in einer landschaftlich reizvollen Umgebung unweit des Scharmützelsees, vereint sie, als eine der wenigen Schulen im Land, Grund- und Oberschule. Sie ist somit Heimat für Kinder von der  1. bis zur 10. Klasse. Ein bisschen haben wir uns trotz moderner Turnhalle und saniertem Plattenbau den ländlichen Charme bewahrt, ohne dabei provinziell zu sein.

 

Natürlich hat sich in den letzten Jahren viel gewandelt. Eine veränderte Kindheit, der Einfluss der Medien, die veränderte Arbeitswelt der Eltern haben großen Einfluss auf die Schule und alle Beteiligte. Immer wieder fragt man sich, kann der Lehrer in der Zeit von Internet, Facebook und digitaler Welt überhaupt noch Einfluss auf seine Schüler nehmen und wie viel.  Ich denke, dass sich an den zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich in der Schule entwickeln, nur wenig geändert hat. Der Mensch, der Lehrer und Erzieher ist derjenige, der unabhängig von allen äußeren Beeinflussungen durch sein Vorbild und seine Persönlichkeit den "Menschen zum Guten führen" kann. In unserer Grundschule wird der Grundstein für die Entwicklung der Kompetenzen unserer Schüler gelegt, die dann in der Oberschule weiter entwickelt und gefördert werden. Wenn junge Menschen so an die Bewältigung des Alltags herangeführt werden, dass sie erleben, etwas geleistet zu haben, dann wird es uns gelingen, Lernfreude und Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten zu entwickeln.

 

Die Entwicklung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen ist aber nicht nur das Problem der Schule. Es ist natürlich die Aufgabe der Eltern, aber genauso auch Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Zu oft werden hier Verantwortungen hin und her geschoben. Die Erziehung zu Toleranz und Hilfsbereitschaft, zu menschlichem Umgang miteinander und die Akzeptanz eines jeden Menschen kann nicht nur Aufgabe einer Institution wie der Schule sein. Alle müssen diese Aufgabe akzeptieren. 

 

Wir versuchen seit Jahren, Toleranz und Miteinander in der Schule zu vermitteln. Dies beginnt mit der Erforschung der Geschichte unseres Ortes. Zum Beispiel dokumentieren Schüler die Geschichte besonderer Häuser und ihrer ehemaligen Bewohner oder sie pflegen Stolpersteine zum Gedenken an die Verfolgung jüdischer Mitbürger. Seit ca. 20 Jahren haben wir eine funktionierende Schulpartnerschaft mit einer Schule im polnischen Koczała. Seit 1996 besuchen sich die Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen gegenseitig. Es werden jahrgangsübergreifende Projekte zur deutsch-polnischen Geschichte realisiert und nicht zu letzt hat unsere Schulpartnerschaft zu einer Städtepartnerschaft zwischen Bad Saarow und Koczała geführt. Intensive Beteiligung an Comenius-Schulprojekten und die Entwicklung weiterer Schulpartnerschaften mit Frankreich und Irland sollten die Kinder und Jugendlichen dazu bringen, allen Menschen tolerant und weltoffen zu begegnen.

 

Seit diesem Schuljahr kommt nun eine neue Aufgabe auf uns zu. Die Flüchtlingszahlen und die Anträge auf Asyl in Deutschland sind rasant gestiegen und dieser Herausforderung wollen wir uns stellen.

Die Not und Verfolgung von Menschen in anderen Teilen der Welt ist den meisten Menschen nicht egal. Wie gehen wir aber oft mit Menschen um, die bei uns Asyl beantragen? Welche "Willkommenskultur" finden sie vor?

 

Wir als Schule müssen hier einen wesentlichen Beitrag leisten. Kinder haben auf der ganzen Welt die gleichen Interessen und Bedürfnisse. Wenn sie keine, oft von den Erwachsenen eingeimpften, Vorurteile haben, wollen sie lernen, Kontakte knüpfen und sich weiterentwickeln. Sie gehen meist offen, ehrlich und liberal miteinander um. Dies zu erreichen und zu fördern wird eine Aufgabe für unsere Schule werden. Dieser Aufgabe müssen und wollen wir uns in der nächsten Zukunft stellen. Dazu müssen wir alle Beteiligten ins Boot bekommen. Alle Schüler und Lehrer, aber auch die Eltern und alle anderen, die Schule gestalten, müssen hier gemeinsam wirken, um für diese Kinder und ihre Familien eine Heimat zu schaffen. Auch wenn es in den meisten Fällen nur eine vorübergehende sein wird.

 

Sicher gibt es Probleme. Es fehlen Dolmetscher und ausgebildete Fachlehrer für Deutsch als Fremdsprache. Kulturelle Unterschiede sind natürlich vorhanden und auch Geld spielt immer eine Rolle. Aber wir wollen uns der Herausforderung stellen. Und bis jetzt läuft es sehr gut. Und hier bin ich dann auch wieder bei dem Zitat von Maxim Gorki, dass eben jeder Mensch die Verantwortung für seinen Mitmenschen trägt.

 

 

Jens-Folke Andres ist Leiter der Grund- und Oberschule "Maxim Gorki" Bad Saarow.

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM