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Lehrkraft - Eltern - Kind-Gespräche

Lehrkraft - Eltern - Kind-Gespräche

Gesprächsatmosphäre

Lerngespräche mit allen Beteiligten – Eltern, Schülerin bzw. Schüler und Lehrkraft – brauchen eine Atmosphäre, in der sich alle Teilnehmenden sicher fühlen und Vertrauen entwickeln können. Dabei kommt der Gesprächsführung durch die Lehrkraft eine große Bedeutung zu, weil davon in großen Teilen abhängt, ob die Schülerin bzw. der Schüler und auch die Eltern das Gespräch als sinnvolle Unterstützung erleben oder als lästige Pflichtveranstaltung.

Als unterstützend im Sinne einer positiven Gesprächsatmosphäre haben sich bewährt:

  • ein wertschätzender Umgangston
  • anregende Gesprächsimpulse
  • Würdigung der Stärken und Ressourcen
  • Orientierung an konstruktiven Lösungen (und weniger an Problemen)
  • eindeutige Zielabsprachen
  • ausreichend Zeit

Gesprächsleitfaden

Der folgende Leitfaden für ein Lernentwicklungsgespräch mit einer Schülerin bzw. einem Schüler und Eltern zeigt an Beispielen, die als Anregungen gedacht sind, welche Gesprächsphasen wichtig sind und wie sie gestaltet werden können.

Gesprächsphasen

Die Begrüßungsphase dient zum Vorstellen und Warmwerden sowie zur Orientierung über Gesprächsinhalt und -ablauf, z. B. Zeitumfang, Thema.

Mögliche Gesprächsimpulse können sein:

  • Ich freue mich, dass Sie und ihre Tochter/ihr Sohn gekommen sind.
  • Schön, dass wir jetzt Zeit füreinander haben.
  • Wir haben ungefähr xx Min. Zeit für unser Gespräch.
  • Unser Thema ist heute …

Nach der Begrüßung wird das Gespräch eröffnet mit der Würdigung positiver Aspekte in der Lernentwicklung. Dazu kann die Schülerin bzw. der Schüler eigene gelungene Arbeiten oder Ausschnitte aus ihrem/seinem Portfolio vorstellen.

Die Lehrkraft ermutigt dabei durch Fragen, Stärken darzustellen und positive Entwicklungen zu benennen. Lehrkraft und auch Eltern ergänzen den Beitrag der Schülerin bzw. des Schülers mit eigenen Eindrücken.

Mögliche Gesprächsimpulse bezogen auf die Schülerin bzw. den Schüler:

  • Was hast du uns mitgebracht?
  • Was ist dir besonders gelungen?
  • Was hat dich besonders interessiert? 
  • Was sind deine Stärken? 
  • Ich finde, das kannst du besonders gut …
  • Ich habe mich gefreut, als …

Mögliche Gesprächsimpulse bezogen auf die Eltern:

  • Wo sehen Sie die Stärken ihres Kindes?
  • Welche positiven Entwicklungen haben Sie beobachtet?
  • Was hat Ihnen besonders gefallen? 

In der nächsten Phase wird zusammen mit Kind und Eltern besprochen, in welchen Bereichen eine Lernentwicklung in der nächsten Zeit, d. h. in einem überschaubaren Zeitraum, wichtig ist. Dabei geht es nicht darum, rückwärtsgewandt Versäumnisse aufzurechnen (du warst immer so langsam), sondern vorwärtsgewandt Ziele zu finden, die in einem überschaubaren Zeitraum zu erreichen sind, z. B. Was können wir tun, damit du schneller beim Schreiben wirst? Wichtig dabei ist, dass nicht die Lehrkraft allein die Entwicklungsschwerpunkte festlegt, sondern unter Mitarbeit von Kind und Eltern gemeinsame Lerninteressen entstehen.

Mögliche Gesprächsimpulse bezogen auf das Kind

  • Ich würde mir wünschen, dass …
  • Mir ist aufgefallen, dass … 
  • Ich habe beobachtet, dass …
  • Was möchtest du besser können? 
  • Was möchtest du verändern? 

Mögliche Gesprächsimpulse bezogen auf die Eltern

  • Wo braucht Ihr Kind mehr Unterstützung?
  • Wo sehen Sie die nächsten Lernschritte für Ihr Kind?

Nach der Phase zur Entwicklungsperspektive folgt die konkrete Absprache von verständlichen Handlungsschritten und Terminen. Dazu gehört auch, mögliche Hilfen und Ressourcen für das Kind auszuloten, z. B. Zwischenkontrollen, Patenkinder.

Mögliche Gesprächsimpulse bezogen auf das Kind

  • Wie kannst du anfangen? 
  • Was wäre der erste Schritt?
  • Was könntest du in der nächsten Zeit schaffen?
  • Wann treffen wir uns wieder? 
  • Was oder wer könnte dir helfen?

Mögliche Gesprächsimpulse bezogen auf die Eltern

  • Wie können Sie Ihr Kind unterstützen?
  • Welchen Zeitplan finden Sie angemessen?

Zum Schluss werden die Gesprächsergebnisse zusammengefasst und verbindliche Absprachen getroffen. Die Absprachen werden auf jeden Fall in einem schriftlichen Kurzprotokoll festgehalten und dieses für alle vervielfältigt. Wer will kann es auch von den Eltern und dem Kind unterschreiben lassen.

Ein Dank an das Kind und die Eltern würdigt deren Bereitschaft zum Gespräch und macht deutlich, wie wichtig der Austausch für die Lehrkraft ist.

Mögliche Gesprächsimpulse bezogen auf Kind und Eltern

  • Bist du/sind Sie mit meiner Zusammenfassung einverstanden?
  • Wie geht es dir/Ihnen jetzt?
  • Möchtest du/möchten Sie zum Schluss noch etwas sagen?
  • Vielen Dank für deine/Ihre Zeit und Mitarbeit.

Dokumentierte Lernentwicklungsgespräche

Auch wenn eigentlich jedes Gespräch zwischen Eltern, Kind und Lehrkraft als Lernentwicklungsgespräch angesehen werden kann, wird unter dem Begriff häufig nur das Gespräch verstanden, das in einigen Bundesländern ein Zwischenzeugnis ersetzt, wenn es bestimmte - vom Schulrecht vorgegebene - Bedingungen erfüllt.

Eine Sonderform ist dabei das "dokumentierte Lernentwicklungsgespräch", wie es im Land Brandenburg vorgesehen ist (siehe Verordnung über den Bildungsgang der Grundschule – (Grundschulverordnung GV §11(3))

Danach tritt in den Jahrgangsstufen 1 und 2 an die Stelle des Zeugnisses zum Schulhalbjahr ein individuelles Gespräch zwischen der Klassenlehrkraft und den Eltern, in dem insbesondere die Lernentwicklung der Schülerin bzw. des Schülers darzustellen ist.

Grundlage für dieses Lernentwicklungsgespräch ist ein Lernentwicklungsbogen, der an die Standards des RLP 1-10 angepasst ist. Das Ergebnis des Lernentwicklungsgesprächs ist im Lernentwicklungsbogen zu dokumentieren und den Eltern auszuhändigen. Ausführungen dazu sowie die Downloads der Lernentwicklungsbogen finden sich unter bravors.brandenburg.de/verwaltungsvorschriften.

In den schulrechtlichen Vorgaben zum Lernentwicklungsgespräch ist nicht vorgesehen, dass das betroffene Kind an dem Gespräch beteiligt ist. Das Gespräch findet zwischen Eltern und Lehrkraft statt. Es schließt weniger an der Praxis formativer Leistungsbeurteilung an, sondern fokussiert eine indikatorenbasierte Leistungsbeurteilung.

Die Durchführung des "dokumentierten Lernentwicklungsgesprächs" sollte von der Lehrkraft gut vorbereitet werden. Wie beim Lehrkraft-Eltern-Kind-Gespräch sollten auch beim "dokumentierten Lernentwicklungsgespräch" u. a. auf eine gute Gesprächsatmosphäre, gelungene Gesprächseröffnung und auf das Aufzeigen von Perspektiven geachtet werden.


Autorin: © Mechthild Pieler


 

Redaktionell verantwortlich: Erna Hattendorf