Zitat März 2014

Zitat März 2014

Zitat März 2014

"Wer Selbstwirksamkeit erlebt hat, wird die ihm wichtigen Dinge nicht der Gestaltung durch andere überlassen."


Unter diesem Credo versuche ich, junge Menschen darin zu stärken, sich Mut, Wissen, Kompetenz und Selbstvertrauen anzueignen, die ihnen dabei helfen, ihre Lebensvorstellungen zu entwickeln und umzusetzen.

Meine eigene Biographie wurde stark dadurch geprägt, dass in meinem Heimatort der Jugendclub geschlossen werden sollte. Der Berlin-Brandenburgische Landjugend e.V. unterstützte uns Jugendliche damals sehr dabei, diese Schließung abzuwenden: die Verantwortlichen hatten Vertrauen in uns und ließen uns viel Raum, eigene Ideen umzusetzen und auch kommunalpolitisch zu agieren. Das Ergebnis war, dass wir den Jugendclub damals selbstverwaltet weiterführen konnten. Den Club gibt es noch heute, auch wenn sich Trägerschaft und Struktur der Nutzer_innen stark verändert haben. Mich hat durch diesen Prozess die Idee des Mitgestaltens und Mitbestimmens nicht mehr losgelassen – ich hatte ja die Erfahrung gemacht, dass es funktioniert - und so wurde ich als Mitglied in der Landjugend aktiv und später auch deren Vorsitzende. Ich erlebte, welche Motivation Wochenenden und Ferienmaßnahmen in mir auslösten, die nach meinen Interessen gestaltet wurden. Dass man das als nonformale/informelle Bildungsangebote bezeichnet, war mir damals ziemlich schnuppe. Ich erlebte, welche Erfolgsgefühle wir nach gemeinsam geplanten und umgesetzten Kampagnen genossen. Erlebte wie aus Ideen konkrete Maßnahmen wurden, wie wir als junge Menschen eine Großveranstaltung mit 2.000 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet gemeinsam planten und umsetzten. Klar habe ich auch erfahren, was es heißt, in endlos lang scheinenden Gremiensitzungen auszuhalten, habe aber auch hier - wenn ich eine konstruktive Idee hatte - Verbesserungsvorschläge eingebracht.

Diese Erfahrungen waren letztlich die Grundlage für mein jetziges Engagement in der Beratungsstelle "Zeitwerk", in der ich lokale Jugendgeschichtsprojekte, z.B. das Jugendprogramm "Zeitensprünge" berate und koordiniere, aber auch für das Jugendprogramm "Brandenburg – Das bist du uns wert!?" verantwortlich bin.

Verschiedene Aspekte zeichnen diese Programme für mich aus: Sie sind insbesondere an Jugendliche aus dem ländlichen Raum gerichtet und bieten ihnen Erfahrungs- und Aneignungsräume. Die mitarbeitenden Jugendlichen sind hoch motiviert, weil sie freiwillig in selbstgewählten Teams arbeiten. Außerdem erhalten viele Erwachsene durch die fabelhaften Projektpräsentationen der Jugendlichen und die vielen Kontakte mit den jungen Menschen im Projektverlauf einen offeneren Blick für deren Belange und lassen ihnen Anerkennung zu teil werden.

Ein weiterer Punkt, der meiner Ansicht nach unbedingt benannt werden muss: In der Begleitung der Jugendgruppen, begegne ich Projektbegleiter_innen, die sich selbst als Akteur_innen des Gemeinwesens verstehen, hochmotiviert sind und dies ausstrahlen. Dabei besitzen sie die Fähigkeit, sich selbst in der Arbeit mit den Jugendlichen im Hintergrund zu halten.

Aus all diesen Eindrücken entsteht in meiner tagtäglichen Arbeit ein sehr positives Bild der jungen Menschen in Brandenburg, der Projektbegleitenden und der Kooperationspartner_innen der Gruppen. Sie alle sind interessiert, ihr Gemeinwesen aktiv und ideenreich mitzugestalten. Die Erklärung dafür liegt in den Selbstwirksamkeitserfahrungen, die sie in den Projekten sammeln konnten.



Sandra Brenner

 

leitet die Beratungsstelle für lokale Jugendgeschichtsarbeit "Zeitwerk" des Landesjugendrings Brandenburg e.V.

Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM