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Dekodierfähigkeit

Dekodierfähigkeit


Dekodierfähigkeit entwickeln

Mit Dekodierfähigkeit ist das schnelle und sichere Erfassen der korrekten Bedeutung von Wörtern, Sätzen und Texten gemeint. Eine gut ausgebildete Dekodierfähigkeit ist die Voraussetzung für verstehendes Lesen. Noch in der Sekundarstufe I gibt es in Deutschland eine große Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die nicht flüssig lesen kann und nur über eine ungenügend ausgebildete basale Lesefertigkeit verfügt. Es handelt sich dabei vor allem um die Jugendlichen, die bei PISA 2000 und PISA 2006 der "Risikogruppe" zugeordnet wurden. Diese Schülerinnen und Schüler benötigen einen großen Teil ihres Arbeitsgedächtnisses für das Dekodieren einzelner Wörter. Dadurch ist ihre Informationsverarbeitung stark beeinträchtigt. Das Verstehen, das Schlussfolgern, das Einbetten von neuen Informationen ins Vorwissen – kurz: das Lernen mit und aus Texten – ist erschwert.

Im Folgenden werden Interventionsmaßnahmen für die Jahrgangsstufen 1 bis 10 vorgestellt: Leseübungen und Lautleseverfahren zum Training der Leseflüssigkeit. Außerdem werden geeignete Textmodelle für Erstleserinnen und Erstleser beschrieben und ein interaktives Lesespiel vorgestellt.


Leseflüssigkeit trainieren

Flüssig zu lesen, bedeutet genau, automatisiert, in einer angemessenen Geschwindigkeit und segmentierend zu lesen bzw. sinnvoll betont vorzulesen. Leseflüssigkeit kann durch Trainingsprogramme gefördert werden, bei denen das laute oder halblaute Lesen ein zentraler Bestandteil ist. Grob lassen sich diese Trainingsprogramme in zwei Gruppen einteilen:

  • Wiederholendes Lautlesen (repeated reading): Eine leseschwache Schülerin/ein leseschwacher Schüler liest einen Text wiederholt und so lange, bis eine bestimmte Anzahl von Wörtern pro Minute erreicht wird. Dann wird das Training mit einem schwierigeren Text fortgesetzt. Eine (erwachsene) Tutorin/ein (erwachsener) Tutor unterstützt und korrigiert.
  • Begleitendes Lautlesen (assisted reading): Ein Tutor/eine Tutorin demonstriert beim gemeinsamen Lesen sinnvolle Betonung, angemessene Geschwindigkeit usw. Gelesen wird synchron und/oder abwechselnd. Die Tutorin/der Tutor fungiert als Lesemodell, korrigiert und unterstützt. Eine besondere Form des begleitenden Lautlesens ist das Paired-Reading-Verfahren, bei dem Schüler-Tandems gemeinsam trainieren.

Es werden Lautlese-Verfahren für die Jahrgangsstufen 1 bis 10 vorgestellt.

Auch Eltern können ein Lautlese-Training mit ihren Kindern durchführen.


Leseübungen

Kinder, die im Anfangsunterricht sehr langsam lesen lernen, brauchen besondere Unterstützung. Es werden Übungen präsentiert, die angelehnt an das "Stufenmodell der Entwicklung des Wortlesens" von Gerheid Scheerer-Neumann entwickelt wurden und für die unterschiedlichen Entwicklungsphasen des Leselernprozesses geeignet sind.

Zu den basalen Lesefertigkeiten gehören das Durchgliedern von Wörtern, das Nutzen des Kontexts zur Hypothesenbildung sowie das Überprüfen von Hypothesen. Besonders Schülerinnen und Schüler mit Unsicherheiten in diesen Bereichen benötigen hier Unterstützung. Es werden Leseübungen für die Jahrgangsstufen 2 bis 8 vorgestellt.


Interaktive Lesespiele

Interaktive Lesespiele, die gemeinsam mit der Lerngruppe am interaktiven Whiteboard, mit einer Partnerin bzw. einem Partner oder allein an PC, Laptop oder Tablet gespielt werden können, üben auf viele Kinder eine besondere Faszination aus. Diese spielerischen Lese-Übungsformen greifen die Freude der Kinder am (digitalen) Spiel auf und motivieren sie ganz nebenbei zum Lesen. Dies ist besonders für langsamere Leselernerinnen und -lerner bzw. schwächere Leserinnen und Leser bedeutsam, die über diesen spielerischen Weg Erfolgserlebnisse beim Lesen erfahren und so ihr Selbstkonzept von sich als Leserin bzw. Leser stärken können.

Berücksichtigen interaktive Lesespiele die speziellen Lernvoraussetzungen und Entwicklungsstände ihrer Nutzerinnen und Nutzer und gewährleisten als Medium Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit, können sie (nicht nur) für Leselernerinnen und -lerner große Potenziale entfalten und deren Dekodierfähigkeit und Textverständnis fördern. Beispielhaft stehen hier als kostenfreie Downloads ein interaktives Lesespiel zum Märchen "Der süße Brei" sowie das interaktive Lesespiel "Novo Virus und seine Freunde" zur Verfügung.

Lesespiel "Der süße Brei"

Das Märchen-Lesespiel wurde für Schülerinnen und Schüler der Schulanfangsphase entwickelt mit Bezug zur Niveaustufe B (siehe Rahmenlehrplan Online, Deutsch/Kompetenzbereich Lesen).

Lesespiel "Novo Virus und seine Freunde"

Das Lesespiel "Novo Virus und seine Freunde" wurde für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 3–6 entwickelt, mit Bezug zur Niveaustufe C/D (siehe Rahmenlehrplan Online, Deutsch/Kompetenzbereich Lesen).

Fächerübergreifend ist das Spiel auch nutzbar im Rahmen des Sachunterrichts bzw. für den Bereich der Naturwissenschaften. Hier stützt sich die Thematik auf den RLP Sachunterricht Berlin-Brandenburg / 3.2 Kind / Wie funktioniert unser Körper? S. 301 bzw. RLP NaWi Berlin-Brandenburg / 3.7 Körper und Gesundheit, S. 302.

Das Spiel ist darüber hinaus auch für lesende Schülerinnen und Schüler mit den sonderpädagogischen Förderschwerpunkten Lernen und Geistige Entwicklung geeignet.


Kinder müssen sich als kompetente und aktive Leser*innen erleben können – egal auf welcher Stufe des Schriftspracherwerbs sie sich befinden. Hierfür benötigen die Kinder passende Leseangebote.

Passende Textmodelle für junge Leserinnen und Leser lassen sich in Anlehnung an Ina Nefzer3 auswählen. Sie hat sich am Stufenmodell des Schriftspracherwerbs4 orientiert. Folgende Stufen werden beschrieben:


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1https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/rahmenlehrplaene/Rahmenlehrplanprojekt/amtliche_Fassung/Teil_C_Sachunterricht_2015_11_16_web.pdf
2https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/rahmenlehrplaene/Rahmenlehrplanprojekt/amtliche_Fassung/Teil_C_Nawi_5-6_2015_11_16_web.pdf
3 Vgl. Nefzer, Ina (2015): Eine Gattung, viele Gesichter. In: JuLit, Heft 2/15, S. 24-30   
4 Günther, Klaus B. (1995) Ein Stufenmodell der Entwicklung kindlicher Lese- und Schreibstrategien. In: Balhorn, H./ Brügelmann, H. (Hrsg.): Rätsel des Schriftspracherwerbs. Lengwil, S. 98-121


Redaktionell verantwortlich: Erna Hattendorf