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Sprachbildung am Übergang 2022

Sprachbildung am Übergang 2022

Dokumentation des Fachtags

Hand in Hand – Sprachbildung am Übergang von der Kita in die Grundschule: Kultur trifft Sprache   

am 11. Mai 2022 im Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg 

Nach zwei Jahren Pandemie-Zeit konnte der für 2020 geplante Fachtag endlich im LISUM in Präsenz stattfinden. Der Fachtag richtete sich mit seinen Angeboten wieder an die regionalen Sprachberater:innen für vorschulische Sprachförderung sowie an Erzieher:innen in Kindertagesstätten und Lehrkräfte in der Schulanfangsphase. Pandemiebedingt konnten weniger Teilnehmende als bei den Fachtagen zuvor aufgenommen werden. So kamen knapp 70 Teilnehmende nach Ludwigsfelde, die die verschiedenen Tagungsangebote mit großem Interesse wahrnahmen.

Durchgängige Sprachbildung von der Kita bis in die Grundschule – das funktioniert vor allem dann, wenn Pädagog:innen aus Kitas und Grundschulen gemeinsam Konzepte und Strategien zur sprachlichen Bildung diskutieren und abgestimmt anwenden. Doch auch die Zusammenarbeit von Kita und Schule war in der Pandemie-Zeit – so berichteten zahlreiche Einrichtungen – häufig etwas weniger intensiv und schwungvoll. Und so sollte der diesjährige Tagungs-Fokus „Kultur trifft Sprache“ mit seinen vielfältigen Anregungen wieder Lust auf eine intensive Zusammenarbeit von Kita und Schule machen, z. B. Lust auf gemeinsam abgestimmte Projekte, die Kinder am Übergang zur sprachlichen Auseinandersetzung gerade in Verbindung mit kulturellen Erfahrungen und Angeboten herausfordern. Die Impulse des Fachtags wollten so die Kooperation zwischen Kita und Schule und ihre gemeinsamen sprachbildenden Bemühungen stärken.

Impressionen aus dem Fachtag

Dr. Antje Skerra, Leiterin des Referats Grundschule/Sonderpädagogische Förderung, eröffnete den Fachtag und begrüßte die Teilnehmenden.

Irene Hoppe, Referentin für die Schulanfangsphase und den Übergang Kita – Grundschule, präsentierte das Tagungsprogramm und stellte die Hautreferentin des Fachtags, Dr. Alexandra Ritter (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), und die Workshopangebote vor.

Gleichfalls verwies sie auf neue am LISUM entwickelte Materialien, die in der pädagogischen Arbeit am Übergang von der Kita zur Grundschule gewinnbringend eingesetzt werden können. Zum einen stellte sie das Nachdenkprojekt zum Kinderbuch „Rigo und Rosa“ von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer (Atlantis Verlag 2016) vor, das zu einem Gedankenaustausch über zentrale Fragen des Lebens anregt.

Zum anderen kommentierte Irene Hoppe die Ausstellung zum Thema „Lese- und Schreibideen für zu Hause“, die auf Anregungen basiert, die im LISUM-Material „Auf die Plätze! Fertig! Los! Lese- und Schreibsport mit der Trainingstasche. Materialpaket für die Schuleingangsphase“veröffentlicht sind sowie im Grundschulportal des bbb im Bereich "Schriftspracherwerb unterstützen - auch zu Hause" zur Verfügung stehen.

Dr. Alexandra Ritter (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) hielt einen Vortrag zum Thema Buch trifft Kind – Sprachförderung mit Bilderbüchern. Im Vortrag wurde deutlich, dass es nicht ausreicht, ab und zu einmal ein Buch anzusehen. Vielmehr soll der Alltag in der Kita wie in der Grundschule geprägt sein von vielfältigen Sprechanlässen, die sich aber von unserer Alltagssprache unterscheiden und die Bildungssprache anbahnen. Bilderbuchbetrachtungen und dialogisches Lesen bieten hervorragende Anlässe zur Sprachförderung und zur Sozialisation in ein schriftkulturelles Umfeld. Im Vortrag wurde das Konzept der Förderung der frühen Bildungssprache anhand von Bilderbüchern erläutert und mit praktischen Beispielen unterlegt.

Workshops

Zwei Workshop-Phasen boten zahlreiche Impulse zur Gestaltung von Angeboten am Übergang von der Kita zur Grundschule, die kulturelle Aktivitäten und Erfahrungen mit Sprachbildung verknüpfen.

Workshop 1: Vom Löwen, der nicht schreiben konnte – ein Mitmachtheater

Dr. Alexandra Ritter (Martin-Luther-Universität Wittenberg-Halle) 
Das bekannte Bilderbuch „Vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ von Martin Baltscheit wurde im Workshop als Mitmachtheater inszeniert und gemeinsam mit den Teilnehmenden erprobt. Im Anschluss wurden gemeinsam Ideen zur Inszenierung von anderen Bilderbüchern erarbeitet.

Workshop 2: Mit Comics erzählen lernen: Wie Bildergeschichten von Asterix bis Zibeline den Kita-Alltag und den Anfangsunterricht zum Krachen bringen

Charlotte von Bausznern (Autorin, Illustratorin, Bibliothekarin) 
Dieser Workshop musste krankheitsbedingt sehr kurzfristig entfallen, was von vielen Teilnehmenden bedauert wurde. Wir hoffen sehr, diesen Workshop auf einem der nächsten Fachtage anbieten zu können.

Workshop 3: Papierkino

Marie-Ulrike Callenius (Film-Kunst-Projekt „Papierkino“
Seit über 12 Jahren arbeitet das Papierkino mit kreativen Methoden im filmischen Bereich. Es entstanden über 40 Kurzfilme ganz unterschiedlicher Art. Im Fokus stehen dabei immer die eigene Kreativität, das Wahrnehmen und Gestalten der Kinder. In diesem Workshop wurden die Teilnehmenden angeregt, selbst mit dem Medium Film zu experimentieren. Sie konnten eine kurze Trick-Filmsequenz herstellen, aber auch filmische Tricks und kleine spielerische Aktionen erlernen, die leicht mit Kindern in Kita und Schulanfangsphase umzusetzen und für die keine weiteren Voraussetzungen nötig sind.

Workshop 4: Kettenmärchen frei erzählen

Silvia Freund (Erzählerin, Schauspielerin, Theaterpädagogin)  
Kettenmärchen aus aller Welt eignen sich besonders als Mitmachgeschichten. Sie arbeiten mit Gesten, Reimen, Rhythmen, die sich vielfach wiederholen. In diesem Erzähl-Workshop beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Textdramaturgie, Erzählritualen, Figurensprache und unterschiedlichen Erzählperspektiven.

Vom Zuhören zum Erzählen

Workshop 5: RhythMix – Lernen und Fördern mit Musik, Sprache und Bewegung

Andrea von Kiedrowski (SIBUZ Steglitz-Zehlendorf)
Musik, Sprache UND Bewegung brachten die Teilnehmenden in Schwung! Lieder, Bewegungs- und Rhythmusspiele zur Wahrnehmungsförderung, Sprechverse, Musikstücke, unterschiedliche Materialien und ausgewählte Instrumente luden zu kreativen Ausdrucksmöglichkeiten ein und ermöglichten vielfältige Beziehungen untereinander. Erprobte Praxisimpulse zeigten die besondere Methodenvielfalt der Rhythmik. Fazit: Das Lernen wird durch Musik, Sprache und Bewegung gefördert und intensiviert. Die Rhythmik nimmt alle Kinder mit – dadurch wird Inklusion erlebbar.

Workshop 6: Mein Museum

Regina Pols (LISUM), Anka Radig (Sprachberaterin für vorschulische Sprachförderung)                 
„Gebt mir ein Museum und ich werde es füllen“, sagt Picasso und eröffnet damit den Rundgang durch verschiedenste Museumsarten im Bilderbuch Ein Museum nur für mich. Der kleine Baumstamm Kubbe sammelt alle möglichen Sachen im Wald, identifiziert, sortiert, etikettiert sie und baut schließlich ein Museum für seine Sammlung – im Bilderbuch Kubbes Museum. Kunst ist überall – man muss sie nur entdecken! So macht es der kleine Max am Rande der großen Kunst im Museum. Auch diese Geschichte wird in einem Bilderbuch erzählt. Ein anderes Buch wiederum zeigt eine kleine Museumsbesucherin, die der Kunst im Museum mit den unterschiedlichsten Gefühlen begegnet. Der Schweizer Künstler Ursus Wehrli schließlich wurde mit seinem Buch Kunst aufräumen bekannt, in dem er Kopien weltbekannter Bilder aus Museen zerschnitt und neue Kunstwerke schuf. Diese 5 ausgewählten Bücher* waren Anregung für ein facettenreiches Museums-Projekt mit Kindern am Übergang von der Kita zur Grundschule. Im Workshop wurden die Bücher sowie das Projekt vorgestellt und einige Aktivitäten erprobt. 


* Emma Lewis: Ein Museum nur für mich. Prestel 2017
Åshild Kanstad Johnsen: Kubbes Musem. Onkel & Onkel 2013
Joanne Liu: Kunst für Max. Prestel junior 2018
Susan Verde: Im Museum. E. A. Seemann 2016
Ursus Wehrli: Kunst aufräumen. Kein & Aber 2002

Bilanz

Der Fachtag mit seinen inhaltlichen Angeboten wurde von den Teilnehmenden insgesamt sehr positiv bewertet. Besonders geschätzt wurde auch, dass die Veranstaltung mit ihren praxisorientierten Angeboten nach drei Jahren wieder in Präsenz stattfinden konnte und somit den direkten fachlichen Austausch der Pädagog:innen von Kita und Grundschule wieder ermöglicht hat.

Redaktionell verantwortlich: Erna Hattendorf