1.2 Rollenklärung und bedürfnisorientierte Begleitung
Das Ausbildungskonzept geht von einem konstruktivistischen Lernverständnis aus und setzt die Annahme der Eigenverantwortung und Entwicklungsbereitschaft der LAK voraus.
Ausbildungslehrkräfte unterstützen die LAK in den verschiedenen Ausbildungssituationen, die sich dadurch unterscheiden, ob ein bewertungsfreier Raum für Beratung und Unterstützung besteht oder ob eine Relevanz für die Bewertung des Ausbildungserfolgs gegeben ist.
Für den Ausbildungserfolg und eine konstruktive Beziehung der an der Ausbildung Beteiligten ist das Bewusstsein für die Aufgaben und ein klares Rollenverständnis in diesen verschiedenen Formaten unerlässlich.
Alle an der Ausbildung Beteiligten haben die Aufgabe, die oben genannten Ausbildungsformate zu gewährleisten. Dabei stellen sie zum einen sicher, dass die Anliegen der LAK berücksichtigt werden, und repräsentieren andererseits die Ausbildungsanforderungen.
In bewertungsfreien Ausbildungssituationen haben die LAK die Verpflichtung, sich beraten und unterstützen zu lassen. Dieser Raum wird durch das Ausbildungscoaching und zusätzlich durch optionale Angebote von Beratung und Supervision von den PZ gefüllt.
In den verschiedenen Ausbildungssituationen nehmen LAK Unterstützung in Anspruch, stellen sich den Anforderungen und absolvieren am Ende der Ausbildung die Prüfung. Dabei sind sie im Rahmen der schulischen Ausbildung auf die Expertise und Unterstützung ihrer Ausbildungslehrkräfte angewiesen.
Ausgehend von den Grundsätzen des Lernens Erwachsener wird angenommen, dass
- Menschen in Suchbewegungen sind und sich ändern können;
- Erwachsene nur zu ihren eigenen Bedingungen lernen und
- Menschen gern so bleiben möchten, wie sie sind.
Es ist sinnvoll, darauf zu vertrauen, dass erwachsene Lerner allein lernen können. Es ist der Blick auf den Lerner, der den Lerner macht.
Ebenso lohnt sich ein Blick auf die bedürfnisorientierte Begleitung der LAK, um ihnen Sicherheit zu geben. Diese Form der Begleitung wird in einem 4-stufigen Prozess beschrieben (vgl. Dreer, B. (2018). Praxisleitfaden Lehrerausbildung: Für eine professionelle Begleitung vom Praktikum bis zum Berufseinstieg. Beltz.):
A Bedürfnis nach Einführung in den Schulalltag
Ausbildungslehrkräfte
- geben Orientierung und führen in Routinen und Abläufe des Schulalltags ein.
- sorgen für klare Absprachen und schaffen dadurch Verlässlichkeit.
- lassen LAK nicht allein mit organisatorischen Fragen.
B Bedürfnis nach Einbindung in die Lehrer- und Schülerschaft
Ausbildungslehrkräfte
- ermöglichen Kontakte und fördern Beziehungen zum Kollegium und den Lernenden.
- behandeln LAK von Beginn an als Teil der Schulgemeinschaft.
- sind sich bewusst, dass LAK keine Studierenden sind.
- agieren auf Augenhöhe.
- eröffnen Räume, in denen LAK aktiv am sozialen Leben der Schule teilnehmen können.
C Bedürfnis nach Selbsterprobung
Ausbildungslehrkräfte
- geben den LAK Freiräume, eigene Unterrichtsideen auszuprobieren.
- glauben, dass LAK eigene Lösungen finden.
- erlauben Fehler und deuten sie als Lernchancen.
- gehen behutsam mit ihrer „Macht” um.
D Bedürfnis nach Selbstverwirklichung als Lehrperson
Ausbildungslehrkräfte
- unterstützen die Entwicklung eines eigenen Unterrichtsstils der LAK.
- ermutigen LAK, ihre pädagogischen Überzeugungen einzubringen.
- reden weniger und fragen mehr.
Redaktionell verantwortlich: Dr. Ole Müller
Der Bildungsserver Berlin-Brandenburg ist ein Service des Landesinstituts Brandenburg für Schule und Lehrkräftebildung im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (Berlin) und des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport Land Brandenburg.
